Weekly #141: Farbe im Konzertsaal, 30 Jahre Cyberspace-Unabhängigkeitserklärung, Doku „Ein Nobody gegen Putin“

Shownotes

Im Hintergrund der Studie stand die Frage, was die Wirkung des Klangs bei einem Konzert beeinflusst. Stefan Weinzierl von der TU Berlin ist hier zusammen mit zwei Kollegen der Rolle der Farbe nachgegangen. Welchen Einfluss hat die Farbe der Sitze, Wände und Vorhänge auf die Wahrnehmung des Klangs bei den Zuhörer:innen? Natürlich konnten die Forscher nicht Konzertsäle in verschiedenen Farben streichen lassen und das jeweils untersuchen. Deshalb nutzten sie VR-Brillen für die Proband:innen. Sie schauten dann in der virtuellen, eingefärbten Umgebung ein Konzert – von einem Geiger oder Klarinettisten. Was Weinzierl und seine Kollegen im Anschluss bei der Befragung der Zuhörer:innen feststellten und welche Erklärungen sie dafür haben, das berichtet Jenny Lepies, Redakteurin bei MIT Technology Review.

„Regierungen der industriellen Welt, ihr müden Riesen aus Fleisch und Stahl, ich komme aus dem Cyberspace, dem neuen Zuhause des Geistes. Als Vertreter der Zukunft bitte ich euch aus der Vergangenheit, uns in Ruhe zu lassen. Ihr seid nicht willkommen unter uns. Ihr habt keine Souveränität, wo wir uns versammeln.“ So beginnt die Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace. Der Bürgerrechtler und Songtexter der Band Greatful Dead, John Perry Barlow, hat sie verfasst und am 8. Februar 1996 am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos vorgestellt. Damit wollte er zum Ausdruck bringen, dass er sich gegen Zensur im Internet wendet und zugleich verhindern, dass sich Regierungen in den Cyberspace einmischen. 30 Jahre sind seit der Veröffentlichung vergangen. Gregor Honsel, Redakteur bei MIT Technology, wirft einen Blick auf die Schrift: Wie wirken Barlows Ideen aus heutiger Sicht?

Außerdem im Weekly:

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Transkript anzeigen

00:00:00: Herzlich

00:00:03: willkommen zu Weekly, dem Nachrichten-Podcast der deutschen MIT Technology Review.

00:00:08: Darin wollen wir jede Woche Nachrichten aus Technik und Wissenschaft einordnen um einfach besser zu verstehen was hinter der Nachricht steckt!

00:00:15: Und jetzt geht es los mit Weekly.

00:00:18: Hi zusammen heute haben wir zwei Themen am Start.

00:00:22: Zuerst erzähle ich ein paar Hintergründe zu einer Studie über farblich abgestimmte Konzertsäle und was Virtual Reality damit zu tun hat.

00:00:32: Danach geht es um die Unabhängigkeitserklärung im Cyberspace.

00:00:36: Mein Kollege Gregor Honsey hat dazu ein paar Gedanken, die er gerne loswerden möchte.

00:00:42: Die Doku A Nobody gegen Putin ist heute außerdem unser Medientipp!

00:00:48: Alle relevanten Links zu den Themen der Sendung findet ihr dann in den Show Notes.

00:00:52: Mein Name ist Jenny LePis.

00:00:54: Ich bin Redakteurin für das Magazin MIT Technology Review Und einmal pro Woche darf ich diesen farblich abgestimmten Podcast moderieren.

00:01:03: Viel Spaß beim Zuhören!

00:01:07: Vor kurzem war ich mal wieder auf einem Konzert und da musste ich auch an eine Meldung denken, die ich erst vor kurzem geschrieben hatte.

00:01:15: Da ging es nämlich um den Einfluss der Farbe von Konzertsälen auf den Klang.

00:01:21: Nun war's auf dem Konzern, wo ich war sowieso nicht sonderlich farblig.

00:01:26: Auch alles war recht dunkel... Ja, Metal schon.

00:01:31: Aber nicht ganz so black sozusagen.

00:01:35: Aber genau und der Studienleiter Stefan Weinziel hatte mir im Gespräch auch schon gesagt dass er zögern würde das sich die Erkenntnisse seiner Untersuchungen zum Beispiel auf andere Musik Genres also wie Metal oder so übertragen ließen weil eben bei Pop und Rock einfach immer mehr immer Lautsprecher eben mit dem Spiel sind.

00:02:00: und dann ist das mit dem Klang auch wieder eine andere Frage, weil die eben die Akzente setzen.

00:02:07: Aber die Untersuchung von Stefan Weinziel fand ich trotzdem spannend und deswegen dachte ich, ich bringe sie hier mal als Podcast-Thema mit.

00:02:17: Im Hintergrund der Studie stand eben die Frage, was die Wirkung des Klangs bei einem Konzert beeinflusst und Weinziel ist hier zusammen mit zwei Kollegen von TU Berlin dem Aspekt der Farbe nachgegangen.

00:02:30: Also was spielt die Farbe?

00:02:32: Der Sitze oder Wende oder Vorhänge für eine Rolle wie die Zuhörer den Klang wahrnehmen?

00:02:39: Und natürlich konnten sie dann nicht Konzertsäle verschiedenfarbig anstreichen immer wieder.

00:02:44: Deswegen haben sie sozusagen einen kleinen Trick angewendet und haben achtundvierzig Teilnehmer in ein Labor, in der TU Berlin geholt und also nicht alle gleichzeitig Und die bekamen eben VR-Brillen auf und diese Personen schauten eben durch die VR Brille ein Konzert an.

00:03:04: Auf der Bühne stand dann jeweils einen Geiger oder einen Clarinetist.

00:03:10: genau In dieser virtuellen Umgebung erschien eben dieser Raum in roter, grüner oder blauer Farbe immer mit so verschiedenen Abstufungen.

00:03:21: So dass es insgesamt dann zwölf verschiedene Nuancen gab die relevant waren.

00:03:29: Jeder Teilnehmer hat aber nur eine Farbe gesehen.

00:03:31: also er hat nicht ein Konzert in Rot und einen Konzern in Blau gesehen sondern er sollte wirklich nicht ahnen das um die Farbe geht.

00:03:40: Und anschließend wurden die Probandinnen und Probanden dann befragt, wie gut hat Ihnen die Performance gefallen?

00:03:47: Wie laut haben Sie sie wahrgenommen oder wie hallig haben Sie auch den Konzertsaal empfunden.

00:03:52: Und wie Sie die Klangfarbe beurteilt haben.

00:03:57: Das kam eben heraus dass sich verschiedene Farben überhaupt nicht auf die Wahrnehmung der Lautstärke unter Halligkeit ausgewirkt haben.

00:04:04: also das war irrelevant.

00:04:07: Aber im Bereich der Klangfarbe und auch des Gefallens des Konzerts gab es, er hat gesagt gar nicht so kleine Unterschiede auf den wahrgenommenen Effekt sozusagen.

00:04:21: Und Stefan Weinziel hat auch erzählt das Konzerte dann eben in weniger gesättigten Farben also weniger knallig sage ich jetzt mal im Höhe bewertet wurden, also besser gefallen haben.

00:04:34: Und insbesondere auch diese empfundene Wärme des musikalischen Klangs war ganz deutlich durch dieses Bild was sie eben gesehen haben und die Umgebung davon beeinflusst, obwohl eben nur der Klang bewerteten werden sollte.

00:04:50: Also hat das denn so zusammengefasst von wegen wir hören anders wenn der Konzert sei anders aussieht?

00:04:56: Das fand ich irgendwie ganz schickend!

00:04:59: Jetzt hatte ich ihn natürlich auch nach den Erklärungen dafür gefragt und er hat da zwei Ideen oder zwei Ansätze vorgestellt.

00:05:08: Zum einen könnte das mit den Gewohnheiten einfach zu tun haben, wenn man öfter in so ein klassisches Konzert geht dann sind die ja eben roten, meistens so dunkelroten Farben und man hat schon die Erwartung das es eine gedeckte Farbgebung ist dass jetzt ruhiger wird und dass man das eben mit gutem Klang assoziiert.

00:05:31: Und die Erklärung für die angenehmere Klangfarbe also das Thumbra heißt es drin hatte dann darauf zurückgeführt auf sementische Effekte.

00:05:44: Klangfarben beschreiben benutzen wir normalerweise Wörter, die eben nicht mit dem Hören zu tun haben sondern mit anderen Sinnen.

00:05:52: Also etwas, also eine klangfarbe ist hell oder rau oder warm und das geht eben nicht nur fürs Hören, sondern eben fürs Empfinden und das wirkt sich dann so aus als könnten wir uns gar nicht dagegen wehren wenn wir solche Worte verwenden dass auch das Bild da beeinflusst wird.

00:06:11: Und für die Klangfarbe oder für die Wahrnehmung der Klangfarbe hatte, meins.

00:06:16: hier noch eine zweite Erklärung.

00:06:18: Da hat er aber auch schon vermutet oder schon gesagt dass er sich da nochmal also das würde er gerne mal absichern Aber er vermutet auf jeden Fall Das hängt auch mit so einem Lerneffekt zusammen eben Menschen wenn Menschen häufiger ins Konzert gehen haben sie gelernt das bestimmte Farben auch mit bestimmten Materialien in Verbindung stehen und dass diese Materialien dann eine Akustik auf bestimmte Weise verändern.

00:06:45: Also wenn wir jetzt eine metallische Oberfläche, wir haben jetzt hier keine, aber sehen das dann auch diese stark reflektierende Oberflächen auch den Klang verändert, dass wir das unbewusst wahrnehmen und eben eine tief rote Oberfläche zum Beispiel da würden wir dann eher vermuten, dass es vielleicht Stoff ist unter einen Vorhang, also Materialien die eher die hohen Frequenzen dämpfen und dann den kleinen verändern.

00:07:10: Das fand ich auch ganz spannend dass man so ein Wissen sozusagen implizit hat.

00:07:18: Er hat dann gesagt das eben diesen gelernten Zusammenhang zwischen Material- und Akustik der könnte eine Erwartungshaltung erfüllen die ihm dann einsetzt.

00:07:31: Und genau er hat diese Studie auch noch mit so einer kleinen Botschaft verbunden, nämlich dass man wenn man jetzt Konzertsäle zum Beispiel neu baut oder renoviert.

00:07:45: Dass man eben die Farbe nicht vernachlässigen darf.

00:07:48: Er meinte es wird halt so viel Geld in die Akustik einfach investiert und die Farben sei da vergleichsweise ein einfaches Mittel um für einen guten Klang zu sorgen, das sollte man doch dann auch berücksichtigen.

00:08:01: Das fand ich auch noch ganz pragmatisch eigentlich.

00:08:04: Sollten wir jetzt unser Podcaststudio neustreichen?

00:08:09: Momentan weiß.

00:08:11: Neutral, genau!

00:08:13: Könnte mal überlegen beziehungsweise kannst du immer vorschlagen.

00:08:18: Zu dem Herrn Weinziehe fiel mir noch ein oder ich hatte mir in der Vorbereitung auf das Interview so ein bisschen seinen Werdegang angeschaut und da fand ich schon spannend, dass er erst Physik studiert hat dann ein Studium des Tonmeisters unter Musikwissenschaften.

00:08:34: Und daraus genau diese Schnittmenge.

00:08:39: Da arbeitet er halt in der TU Berlin dran, eben diese Audio-Kommunikation heißt das.

00:08:44: Und da ist es wo sich dann alles zwischen Musik und musikalischer Wahrnehmung und Ingenieusakustik verbindet.

00:08:52: Das konnte eher zu einem Forschungsgebiet ausbauen, fand ich eine tolle Kombination einfach.

00:09:00: In dem Interview werde ich auch noch in den nächsten Tagen fertig machen.

00:09:03: Das kann man dann auch online noch lesen!

00:09:08: Jetzt kommen wir einfach zum zweiten Thema Gregor, würde ich sagen.

00:09:13: Zur Einstimmung habe ich ein kurzes Zitat vorbereitet, das ich jetzt ganz kurz vorlesen werde... Regierungen der industriellen Welt, ihr müden Riesen aus Fleisch und Stahl.

00:09:25: Ich komme aus dem Cyberspace – dem neuen Zuhause des Geistes!

00:09:29: Als Vertreter der Zukunft bitte ich euch, aus der Vergangenheit uns in Ruhe zu lassen.

00:09:34: Ihr seid nicht willkommen unter uns.

00:09:36: Ihr habt keine Souveränität, wo wir uns

00:09:38: versammeln.".

00:09:40: Sobegeginnt die Unabhängigkeitserklärung des Cyberspaces.

00:09:44: Der Bürgerrechtler und Songtexter der Band Grateful Dead, der eine oder andere wird sich noch an sie erinnern.

00:09:50: John Perry Barlow hat sie verfasst und am achten Februar, sixundneunzig hatte er sie am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos vorgestellt.

00:10:00: Damit wollte er zum Ausdruck bringen dass er sich gegen eine Zensur im Internet wendet und wollte damit verhindern das sich Regierungen in den Cyberspace einmischen.

00:10:09: Und Barlow sah eben das Internet irgendwie losgelöst von Staaten sozusagen in so einer eigenen Welt und auch Konzepte wie Eigentum oder Ausdruck, Identität.

00:10:20: Und so eine Bewegung sollte nach Barlow einfach nicht im Internet gelten oder stattfinden.

00:10:26: Stattdessen würde sich dort so eine eigene Vorgehensweise entwickeln, also seine Theorie.

00:10:34: Dreizig Jahre ist das jetzt her und Gregor brachte das neulich in die Redaktionskonferenz mit.

00:10:41: Wir haben jetzt gedacht dass wir da mal eine Zwischenbilanz ziehen.

00:10:45: Wie wirken sich denn barlos Ideen aus heutiger Sicht auf das Internet aus?

00:10:51: Lässt dich das noch anwenden?

00:10:56: Ja, nein.

00:10:58: Es ist natürlich vor einer Seite eine völlig offenkundig gescheiterte Utopie.

00:11:05: es ist ja nicht so gekommen.

00:11:09: Das heißt zum Beispiel ihr habt kein... Der Cyberspace liegt nicht in eurem Hoheitsgebiet.

00:11:16: Ihr habt ja nicht die Macht und die Mittel uns hier zu bremsen, das ist natürlich aus heutiger Sicht absolut anders gekommen.

00:11:24: Natürlich gibt es!

00:11:26: Also guckt ihr China an?

00:11:27: Guckt ihr Iran an?

00:11:28: Schaut ihr tausend andere autokratische Regimes an?

00:11:32: Überall haben die Staaten gezeigt dass sie durchaus und zwar heftig ins Internet rein regieren können.

00:11:40: also auf rein sachlicher Ebene Ist es einfach anders gekommen?

00:11:46: Das andere, was mir aufgefallen ist, dass er sich ja nur an Regierungen richtet.

00:11:53: Aber die wahren Machthaber im Cyberspace... Sorry für diese neunzehn Jahre Wortwahl.

00:11:59: Bleiben wir mal da dran!

00:12:00: Er hat so geschrieben.

00:12:02: Datenautobahn

00:12:02: aber gut Wir sind in den Neunzigern und ich bleib bei der Wortwahlen.

00:12:09: Die wahren Machthaben sind da jetzt Unternehmen Also Tech Bros wie Mark Zuckerberg, Jeff Bezos und über Musk natürlich.

00:12:20: Und das taucht natürlich da gar nicht auf.

00:12:22: also war es wir gegen die Regierungen aber tatsächlich ist es ja wir also das Volk gegen die Regierung gegen die Unternehmen

00:12:37: in verschiedenen

00:12:38: Konstellationen so zu sagen ein Dreier-Duell oder so, wenn man so will.

00:12:43: Ein Dreierkonflikt.

00:12:45: und die Unternehmen, die heute da was zu sagen haben sind natürlich kommen ja aus dem selben Milieu wie John Perry Barlow selber halt vom Silicon Valley.

00:12:59: Haben ja auch ähnlich Libertäre, Barlow wird auch gerne zu Libertären gezählt.

00:13:04: es wird halt haben den selben Libertären Hintergrund.

00:13:10: Das ist schon ganz interessant, wie halt Geschichte verlaufen kann.

00:13:14: Ja ich finde das auch so krass dass er quasi Unternehmen gar nicht als Akteure auf dem Plan hatte offenbar sonst hätte sie ja reingeschrieben.

00:13:21: wahrscheinlich

00:13:22: oder vielleicht waren Sie mit gemeint?

00:13:24: Ich weiß es nicht, aber explizit richtete er sich schon an Regierungen

00:13:29: Genau, genau.

00:13:32: Das sind schon mal zwei Sachen die halt ganz sachlich falsch lagen.

00:13:38: Womit er recht, natürlich was man heute gerne übersieht ist das er schon damit Recht hatte.

00:13:45: Was auch damals keineswegs so selbstverständlich war überhaupt die Dimensionen dass es quasi das Internet oder der Cyberspace einer Parallelwelt sein wird mit erheblichen Einfluss auf die Reale.

00:13:56: also nochmal zur Erinnerung ich habe mal nach recherchiert.

00:13:59: also damals waren achtundzwanzig Kmodeons angesagt Also Die älteren unter uns.

00:14:07: Kilo Bit pro Sekunde.

00:14:10: Und der verbreiterste Browser war NetScape, zwei Punkt Null.

00:14:16: Kennt ihr nicht?

00:14:17: Genau und die meisten Leute dürften eine VGA Auflösung gehabt haben also irgendwie so vierzehn Zollmonitore mit sechshundertvierzig mal vierundachtzig Pixeln.

00:14:27: Röhrenmonitorer versteht sich.

00:14:29: Also auf der technischen Grundlage sowas wie an Cyberspace auszurufen Ist schon kühn, aber hat er mit Recht gehabt.

00:14:44: Aber was eigentlich das eigentlich?

00:14:46: die Prämierende der ganzen Sache?

00:14:48: ist es nicht einfach eine gescheiterte Utopie davon gibt's viele oder eigentlich gehört ja schon so zum Wesen der Utopien irgendwie zu schalten auch nicht realisiert zu werden weil dann wäre es ja keine Utopia mehr.

00:15:00: Und

00:15:01: der ist ja auch okay, man kann ja immer noch träumen dürfen und so weiter.

00:15:05: Die Utopie wird er durch ihr Scheitern nicht widerlegt.

00:15:10: Man kann immer noch hoffen beim nächsten Mal klappt es halt aber in dem Fall ist das anders weil ich die Utopi selber aus heutiger Sicht total dystopisch finde.

00:15:20: also ich fände wäre diese Utopia eingetroffen wäre genau so schlimm gekommen.

00:15:27: was meinst du jetzt speziell?

00:15:28: Weil er schreibt Wir erschaffen eine Welt, die alle betreten können ohne Bevorzugung oder Forturteil bezüglich Rassemulstein, militärischer Macht und Herkunft.

00:15:40: Wir schaffen eine Welt in der jeder Einzel an jedem Ort sein oder ihre Überzeugungen ausdrucken darf wie individuell sie ja auch sind, ohne Angst davor im Schweigen der Konformität aufgehen zu müssen.

00:15:52: Wir werden im Cyberspace einer Zivilisation des Geistes

00:15:55: erschaffen.".

00:15:57: Das klingt ja alles gut und idealistisch?

00:16:00: Aber ich denke mir, wo jeder einzelne seine Überzeugung ausdrücken darf.

00:16:05: Denke ich bin ich halt bei X

00:16:09: oder den

00:16:10: übleren Ecken von Fortschern oder so?

00:16:14: Wo alle Hämmerungslos halt rumpöbeln und beschimpfen und bedrohen können.

00:16:21: das ist der die eigentliche Sache, wo das schlecht gealtert ist.

00:16:25: Also damals hat jeder gesagt juhu freie Meinungsäußerung.

00:16:29: heute oh mein Gott.

00:16:31: also kein kein ja ungehindert von diesem übelen konformatiales Gedruck seine Meinung raushauen kann er echt in den größten noch in den grössten Gülle löchern des Netzes.

00:16:45: und da ist dieses diese Vision für mich total zur Dystopie geworden.

00:16:52: Das ist eigentlich das, wo ich mir gemerkt habe, oh Mann!

00:16:56: Das ist einfach viel stärker.

00:16:58: oder daran zeigt sich dass dieses Manifest viel schlechter gerade ist als man nur an deren reinen faktischen Scheitern erkennen könnte.

00:17:08: Also das was damals erstrehmenswert war, ist finde ich heute total gruselig.

00:17:12: Ja, aber wir haben ja einen ganz anderen Erfahrungshorizont jetzt, wie sich die Menschheit entwickelt hat sozusagen.

00:17:19: und ein Zitat geht ja noch weiter.

00:17:21: Möge sie humaner und gerechter sein als die Welt, die eure Regierung bis dahin errichteten?

00:17:26: Er hat ja schon hierheres Ziel, er glaubt zu sehr an das Gute im Menschen glaube ich.

00:17:36: Deswegen ist es...

00:17:38: Ja, wo ist sie nun?

00:17:39: Die Zivilisation des Geistes.

00:17:40: Ja genau.

00:17:42: Der liebt doch noch nicht mehr.

00:17:42: Man noch

00:17:42: bewächter als die Welt.

00:17:44: Ja.

00:17:44: Der ist im Jahr two-tun-achtzig gestorben.

00:17:46: Ach so, zwei-tün-achtzing

00:17:46: gestormen.

00:17:47: Er hat auch einen Nachruf im Blatt.

00:17:48: Ah okay, hier ist ich's ne.

00:17:49: Und Markus Begedal.

00:17:52: Ja und das ist das eine, die hier deprimieren.

00:17:55: Eine gescheiterte Utopie.

00:17:58: Ist natürlich auch ein bisschen deprimierend aber damit kann man leben.

00:18:01: Aber wenn man erkennt dass die Utopien Nicht nur gescheitert, sondern falsch war.

00:18:06: Also gibt es zwei Möglichkeiten... Wird nicht realisiert ist scheiße?

00:18:12: Also wird realisiert genau so scheiße.

00:18:13: Das ist halt das deprimierende.

00:18:17: oder was meine Gedanken dabei waren dabei dass jetzt auch die Utopie nicht mehr als Gegenmodell vorhanden ist.

00:18:25: Da

00:18:25: es

00:18:25: keine Utopien mehr wurde sagen kannst ja so wäre es der hätte es sein können oder so kommt's vielleicht nochmal wieder.

00:18:32: und

00:18:34: Ja, genau.

00:18:37: Wenn du jetzt heute so ein Manifest schreiben müsstest, dann müsste man schon mal mehr überlegen was da unbedingt rein soll.

00:18:47: Wir sollten uns die Vorbilder suchen wo es halt im realen Leben gut funktioniert.

00:18:55: also gibt halt Staaten in denen der Umgang miteinander recht gesittet ist oder gesittert als den anderen und die sollte man sich anschauen die ja auch stark durch eine Regierung und durch Regeln bestimmt sind.

00:19:10: Ja, genau.

00:19:12: Und noch was zum Hintergrund von Barlow?

00:19:16: Ich glaube du hast gesagt es ist ein positives Menschenbild.

00:19:24: Das mag natürlich sein das spricht dir auch sehr für ihn.

00:19:28: ich wollte leider nicht mehr teilen kann.

00:19:31: Das ist gar nicht der Grund.

00:19:32: Er dachte, wir sind die guten Menschen?

00:19:35: Wir sind die hippies?

00:19:35: Wir haben Ahnung von Technik!

00:19:37: Wir sind da unter uns,

00:19:38: ne?!

00:19:39: Wir, wir, die guten und schlauen und klugen... ...sind da unter UNS.

00:19:43: Und wir werden da alle ganz lieb und gesittet miteinander zugehen wie in einer Hippie-Kommune.

00:19:50: Und dahinter steckt ja auch der Gedanke, die... Die Blöden anders... Alle anderen sind eh zu blöden, modem einzustäpseln.

00:20:03: Das mag damals vielleicht noch, das stimmt wahrscheinlich damals auch schon nicht.

00:20:06: Aber es ist so.

00:20:06: die Idee...das ist halt technisch ein bisschen aufwendiger als ein Fernseher anzuschalten und wir bleiben die technische Avant-Garde.

00:20:16: nur wir sind klug genug überhaupt im Internet uns rumzutreiben und alle anderen das breite Volk und die ganzen rechten Konsortiven sind dafür eh zu blöd.

00:20:26: Also bleiben wir hier unter uns.

00:20:28: Und das ist ja auch wieder so eine Sache, wo du merkst gerade die ganzen Brandstifter und Demagogen haben mal sehr viel schneller gelernt, das Internet zu instrumentalisieren für ihre finsteren Zwecke.

00:20:40: Ja.

00:20:42: Das ist auch wieder ein Denken was da nur sehr implizit drinsteckt, woran sich heute auch denkt.

00:20:52: Die anderen sind auch nicht all... Also, die Andersdenken sind auch noch nicht die größten Deppen.

00:20:56: Ja, verstehe ja.

00:20:59: Wir haben auch gelernt wie man einen Modem einstöpselt oder heute halt einen Router und den WLAN aufbaut.

00:21:08: Das ist auch etwas eine sehr elitäre Position.

00:21:12: Genau es ist eine gesonderte also im Prinzip auch ne kleine Bubble sozusagen von der er ausgeht.

00:21:20: Einerseits glaubt das halt die Bubble Riesen groß wird, dass sie halt so eine Art Paralleluniversum wird.

00:21:26: Aber andererseits bleibt sich klein genug das nur hippies und nerds und sonst nette Menschen, kluge nette menschen da reinkommen in die Walle?

00:21:38: Ja genau!

00:21:41: Also wäre mal interessant zu wissen wie ihr das jetzt so sehen würde.

00:21:46: Er hat ja auch sich dazu geäußert...

00:21:49: Man hat es gesagt

00:21:51: Ja, es sind verschiedene Zitat von ihm überliefert.

00:21:57: Also bei uns... Markus Bickeder hat ja den Nachruf geschrieben damals, da schreibt er... Er hat ihn auch selber gesprochen, Barlow sagte später so extrem habe ich das nicht gemeint, wollte deutlich machen dass das Netz eine andere Art von Gesetzgebung braucht als die analoge Welt.

00:22:14: Er wünscht sich globale Ansätze in den Menschenrechte im Vordergrund standen.

00:22:19: Kannst

00:22:19: du sagen?

00:22:20: Ja, einfach standen.

00:22:22: Okay.

00:22:25: Genau also er hat sich... Es gibt widersprechende Zitate zu ihm.

00:22:32: Er sagt auch, er hätte sich da von nichts distanzieren müssen.

00:22:35: Er hat sich jetzt auch gegenüber Markus Bekedal offenbar schon etwas distanziert davon und diese improvisierte Rhetorik des Textes sei mir noch etwas peinlich geworden.

00:22:47: Das ist Ahtos!

00:22:50: Hätte auch nie damit gerechnet, dass das so eine große Verbreitung finden

00:22:53: würde.

00:22:55: Ja gut aber das macht es ja gerade entspannender.

00:22:58: also ich finde ist auf so viel auch wenn es nicht sehr viele Ebenen, wo man sich heute noch dran abarbeiten kann die menschliche, die technische, die gesellschaftliche und so weiter.

00:23:14: Spannende Text genau!

00:23:16: Und natürlich die Rhetorische, also schon das Wort Cyberspace ist für wie Daten Autobahn.

00:23:23: Oh mein Gott!

00:23:23: Das ist heute eher cringe?

00:23:25: Ja total.

00:23:26: Aber

00:23:27: damals war es halt die Avant-Garde.

00:23:29: Ja richtig ich muss an den ersten Tron-Filmen denken irgendwie dass er mich gerade so assoziiert.

00:23:37: War der auch Ende Neunziger passen?

00:23:38: Ich glaube Ende Achtziger

00:23:40: waren er.

00:23:44: Ja, genau.

00:23:45: Aber spannend auf jeden Fall die Kontraste heute nochmal zu sehen.

00:23:50: Du schreibst auch noch kleine Analyse noch drüber?

00:23:53: Genau.

00:23:54: Perfekt!

00:23:54: Dann kommt ihr auch in die Shownotes.

00:23:57: Vielen Dank erst mal.

00:23:59: Unser Medientipp ist sogar kürzlich mit einem Oscar apremiert worden und ich habe ihn dann in der Arte-Mediathek entdeckt und mir auch direkt angeschaut und fand den wirklich schön.

00:24:12: Packend ist jetzt vielleicht das falsche Wort, weil er im Grunde auch sehr langsam erzählt ist.

00:24:17: Es geht nämlich um den Dokumentarfilm A Nobody gegen Putin und der hat jetzt zwar wenig Tech-Bezug aber bei unserem Mediumtipp sind wir trotzdem immer etwas breiter aufgestellt und deswegen habe ich den jetzt mitgebracht.

00:24:32: Der Protagonist ist also der vermeintliche Nobody, der Pavel Talankin.

00:24:38: Er ist Lehrer an einer russischen Schule in der Kleinstadt Karabasch und da ist er auch so ein Videografen hinter sich, der dort den Alltag eben auf Kamera festhält und auch Medienprojekte mit den Schülerinnen und Schülern macht.

00:24:54: Und als dann im Februar zwanzig der Ukrainekrieg losgeht bekommt er wie wahrscheinlich auch alle Schulen in Russland den Auftrag, so patriotische Veranstaltungen zu organisieren und das dann zu Propagandazwecken eben zu dokumentieren.

00:25:11: Aber dieser Pavel ist eben sehr kritisch und auch skeptisch und möchte da – findet das alles komisch damit zu machen?

00:25:20: Und er wird dann über Instagram von einem westlichen Filmemacher kontaktiert!

00:25:26: Und dieser schlägt dann wiederum vor diesen diesen gestagten Alltag sozusagen zu dokumentieren.

00:25:33: Und daraus entsteht dann eben dieser authentische Film über den Schulalltag und wie dieser militärische Einsatz in der Ukraine, auch diese jungen Schülerinnen und Schüler in Russland im Fernab in dieser Kleinstadt am Oral da beeinflusst.

00:25:51: Man sieht dann auch unsere Szenen.

00:25:54: Ein Geschichtslehrer vor so einer Klasse steht dann da dutziert und alles die vermeintlich geschichtlichen Vorgänge, das stark ideologisch gefärbt dann eben erklärt.

00:26:06: Und gleichzeitig siehst du eben diese Schüler Gesichter, die sind vielleicht weiß ich jetzt nicht so zwölf, dreizehn oder so... Ich wüsste immer gern, was in deren Köpfen so vorgeht.

00:26:17: Ob die denken Na ja, red du Mann oder so?

00:26:19: Oder was davon irgendwie so hängen bleibt und wie sie das auffassen und wie sich's mit nach Hause nehmen vielleicht und ihren Eltern erzählen oder so.

00:26:30: Und es wird dann auch irgendwie ein bisschen traurig wenn dann halt die ersten Absolventen der Schule dann auch eingezogen werden auch freiwillig melden, um in den Krieg zu gehen.

00:26:43: Weil sie eben keine Alternativen oder gute Alternatifen zu ihrem Alltag da sonst in dieser Kleinstadt haben.

00:26:51: und das ist irgendwie auch schon traurig für emotional dann auch.

00:26:58: Ich habe die Doku noch nicht ganz zur Ende gesehen, das werde ich jetzt aber nachholen auf jeden Fall.

00:27:05: Deswegen wollte ich euch das als Empfehlung noch hier lassen.

00:27:08: Hattest du da schon mal reingeguckt, Krieger?

00:27:10: Nein nicht.

00:27:10: Genau dann auch für dich ein Tipp sozusagen.

00:27:14: Damit sind wir auch schon am Ende dieser Folge!

00:27:17: Wir hören uns in der nächsten Woche wieder.

00:27:19: bis dahin macht es gut, tschüss!

00:27:25: Wir auch!

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