Deep Dive: Über das prekäre Arbeiten in der Wissenschaft
Shownotes
Wir tauchen heute tiefer ein in das Arbeiten im deutschen Wissenschaftsbetrieb. Den aktuellen Anlass dazu lieferte vor Kurzem die Philosophin Amrei Bahr von der Universität Stuttgart. In einem Linkedin-Post teilte sie mit, dass sie sich entschieden hat, die Wissenschaft zu verlassen. Dass Akademiker:innen von der Wissenschaft in die Wirtschaft wechseln, ist an sich nichts Ungewöhnliches.
Allerdings ist Amrei Bahr jemand Besonderes: Im Sommer 2021 war sie eine der maßgeblichen Stimmen, neben ihren Mitstreiter:innnen Kristin Eichhorn und Sebastian Kubon, die es geschafft haben, den Hashtag #IchbinHanna viral gehen zu lassen. Dieser Hashtag greift ein Video des damaligen Bundesforschungsministeriums auf: Darin geht es um eine erdachte Figur namens Hanna. Sie ist Biologin und forscht zu ihrer Doktorarbeit. Anhand ihres Beispiels wird das Wissenschaftszeitvertragsgesetz (WissZeitVG) erklärt und warum die befristeten Stellen in der Wissenschaft ihre Vorteile haben. Dieser Auffassung sollte der Hashtag #IchbinHanna entgegenwirken, denn gerade in diesen prekären Arbeitsverhältnissen sieht Bahr nicht nur eine Gefahr für in der Wissenschaft angestellte Personen, sondern auch für die Wissenschaft selbst. Sie selbst hat die Stelle einer Juniorprofessorin inne und hat ihr berufliches Leben lang stets das Ziel einer Professur verfolgt. Ihre Absage an die Wissenschaft kommt daher plötzlich. Im Podcast spricht sie über ihre Beweggründe.
Direkt zu unserem KI-Newsletter: https://lp.t3n.de/KI-NL/
Hinweis: Dieser Podcast wird durch Sponsorings unterstützt. Alle Infos zu unseren Werbepartnern findest du hier.
Transkript anzeigen
Jenny Lepis: Hi zusammen, ich begrüße euch zu unserer Deep Dive-Ausgabe.
Jenny Lepis: Wir tauchen heute tiefer ein in das Arbeiten im Wissenschaftsbetrieb in Deutschland.
Jenny Lepis: Den aktuellen Anlass dazu lieferte vor kurzem die Philosophin Amrei Baar von
Jenny Lepis: der Universität Stuttgart.
Jenny Lepis: In einem LinkedIn-Post teilte sie mit, dass sie sich entschieden hat,
Jenny Lepis: die Wissenschaft zu verlassen.
Jenny Lepis: Und eigentlich wäre das nicht unbedingt eine bahnbrechende Nachricht,
Jenny Lepis: Dass Akademikerinnen und Akademiker von der Wissenschaft in die Wirtschaft wechseln,
Jenny Lepis: ist an sich nichts Ungewöhnliches.
Jenny Lepis: Allerdings ist Amrei Bar jemand Besonderes, wenn ich das mal so sagen darf.
Jenny Lepis: Im Sommer 2021 war sie eine der maßgeblichen Stimmen neben ihren MitstreiterInnen
Jenny Lepis: Christine Eichhorn und Sebastian Kubon, die es geschafft haben,
Jenny Lepis: den Hashtag Ich bin Hanna viral gehen zu lassen.
Jenny Lepis: Und bevor wir jetzt einsteigen, sage ich erstmal herzlich willkommen,
Jenny Lepis: Amrei. Schön, dass du dir Zeit genommen hast.
Jenny Lepis: Ja, ich freue mich sehr. Ganz herzlichen Dank für die Einladung.
Jenny Lepis: Schön. Steigen wir nochmal mit dem Hashtag Ich bin Hanna ein.
Jenny Lepis: Wer das damals vielleicht nicht mitgekriegt hat, auf Twitter,
Jenny Lepis: als Twitter noch Twitter war sozusagen.
Jenny Lepis: Dieser Hashtag entstand ja auf die Veröffentlichung eines Videos hin,
Jenny Lepis: das das Bundesforschungsministerium veröffentlicht hatte.
Jenny Lepis: Darin geht es um eine erdachte Figur namens Hannah. Sie ist Biologin und forscht zu ihrer Doktorarbeit.
Jenny Lepis: Anhand ihres Beispiels wird dann in dem Video das Wissenschaftszeitvertragsgesetz
Jenny Lepis: erklärt und warum diese befristeten Stellen in der Wissenschaft ihre Vorteile haben.
Jenny Lepis: Ich habe mir das gestern nochmal angesehen und habe auch gelesen,
Jenny Lepis: dass das Forschungsministerium das zwischenzeitlich dann auch wieder gelöscht hatte, dieses Video.
Jenny Lepis: Aber es gibt natürlich auch wieder Uploads eben. Wann hast du denn das Video zuletzt gesehen?
Jenny Lepis: Das ist eine gute Frage. Also ich habe das tatsächlich ja immer wieder mal gesehen
Jenny Lepis: und sei es in Auszügen, weil wenn wir Vorträge halten oder auf Panels sitzen,
Jenny Lepis: dann wird das auch gerne mal so zumindest in Teilen eingespielt.
Jenny Lepis: Aber es ist mir so eindrücklich im Gedächtnis geblieben, dass so einige Formulierungen
Jenny Lepis: einfach immer noch sehr deutlich im Kopf sind.
Jenny Lepis: Zum Beispiel diese Idee, dass, Zitat aus dem Video, nicht eine Generation alle
Jenny Lepis: Stellen verstopfen soll.
Jenny Lepis: Also deshalb macht man diese Dauerfluktuation und fängt ständig mit neuen Leuten wieder von vorne an.
Jenny Lepis: Und die nicht verstopfende Generation, die wird dann halt irgendwie ausgeschieden quasi.
Jenny Lepis: Und das war natürlich der Anlass dafür, dass wir zusammen mit ganz vielen anderen
Jenny Lepis: WissenschaftlerInnen, die halt sozusagen in dem Verdacht stehen,
Jenny Lepis: jetzt da irgendwas zu verstopfen,
Jenny Lepis: gesagt haben, das ist eine etwas komische Art und Weise,
Jenny Lepis: über uns zu reden und auch so respektlos und so herablassend und unangemessen
Jenny Lepis: letztlich, Dass wir gesagt haben, das wird einfach weder dem gerecht, was wir hier leisten,
Jenny Lepis: noch ist das eine sinnvolle Sache, wenn man jetzt ständig immer wieder neue
Jenny Lepis: Leute in so ein System reinzieht, um sie dann nach einiger Zeit wieder vor die Tür zu setzen.
Jenny Lepis: Und insofern steht mir das sehr deutlich vor Augen,
Jenny Lepis: zumal man ja sagen muss, also das Video ist ja schon älter und auch als wir
Jenny Lepis: das 2021 dann angefangen haben, darüber zu schreiben und das zum Anlass genommen
Jenny Lepis: haben, diese Initiative zu starten,
Jenny Lepis: Da war es auch schon älter. Aber die Situation hat sich ja jetzt nicht grundlegend
Jenny Lepis: verändert, weil eben die Reform dieses Wissenschaftszeitvertragsgesetzes noch
Jenny Lepis: immer nicht abgeschlossen ist.
Jenny Lepis: Man fragt sich, wie viele befristet beschäftigte WissenschaftlerInnen seit Beginn
Jenny Lepis: von Ich-bin-Hanna aus diesem Wissenschaftsbereich ausgeschieden sind.
Jenny Lepis: Also wie viele dann mit ihren befristeten Verträgen irgendwann am Ende waren
Jenny Lepis: und auch mit ihrer Höchstbefristungsdauer. und dann die Wissenschaft verlassen
Jenny Lepis: mussten, das waren sicher einige.
Jenny Lepis: Und wir haben immer noch keine Reform. Allerdings hat immerhin die aktuelle
Jenny Lepis: Bundesregierung ja versprochen, bis Mitte 2026 eine liefern zu wollen.
Jenny Lepis: Das ist eine, würde ich jetzt so, ich meine, wir haben jetzt,
Jenny Lepis: was haben wir Ende März fast?
Jenny Lepis: Das ist eine sportliche Angelegenheit, würde ich jetzt mal sagen.
Jenny Lepis: Da warten wir natürlich weiterhin sehr gespannt und es ist höchste Zeit.
Jenny Lepis: Ja, ist denn der Kritikpunkt, das kam jetzt natürlich so raus,
Jenny Lepis: dass es eben hauptsächlich um diese befristeten Verträge von Doktoranden oder
Jenny Lepis: beziehungsweise zur Promotion hin und dann eben als Postdoc,
Jenny Lepis: ist das so der Hauptkritikpunkt oder gibt es noch andere Sachen, die Sie kritisieren?
Jenny Lepis: Das Problem ist tatsächlich einerseits, dass wir diese befristeten Verträge
Jenny Lepis: haben, die ja dann auch zwar vor der Promotion insgesamt sechs Jahre betragen
Jenny Lepis: können und nach der Promotion nochmal sechs Jahre.
Jenny Lepis: Aber das ist nicht so, dass sie dann quasi alle einen Vertrag haben, der sechs Jahre läuft.
Jenny Lepis: Also sprich, dass man dann einen Vertrag für die gesamte Promotionsdauer hat,
Jenny Lepis: sondern wir haben auch noch so eine Kettenvertragsproblematik.
Jenny Lepis: Also die Leute hangeln sich von einem Jahresvertrag zum nächsten.
Jenny Lepis: Vielleicht haben sie auch mal Glück und haben mal zwei Jahre oder sowas.
Jenny Lepis: Aber das sind halt einfach sehr wackelige Beschäftigungsverhältnisse.
Jenny Lepis: Das ist das eine Problem.
Jenny Lepis: Und zum anderen ist halt das Problem, dass danach dann auch nichts Unbefristetes folgt.
Jenny Lepis: Und Professur ist in Deutschland letztlich das einzige unbefristete Arbeitsverhältnis
Jenny Lepis: in der Wissenschaft, was man realistischerweise irgendwie anzielen kann.
Jenny Lepis: Und mit realistischerweise meine ich, davon gibt es zumindest ein paar,
Jenny Lepis: aber sie sind immer noch so rar gesät, dass eigentlich die allermeisten leer ausgehen.
Jenny Lepis: Also das heißt, wir bilden in Anführungszeichen Leute für Professuren aus,
Jenny Lepis: die dann gar nicht existieren.
Jenny Lepis: Und dann müssen sie halt hochqualifiziert mit Anfang, Mitte 40 sich neu orientieren.
Jenny Lepis: Das ist fürchterlich ineffizient und für die Leute natürlich auch nicht gut.
Jenny Lepis: Und das ist eben auch ein deutsches Spezialproblem, weil wir letztlich in Deutschland
Jenny Lepis: so eine totale Fokussierung auf die Professur haben, als einziges unbefristetes
Jenny Lepis: Arbeitsverhältnis, also die volle Professur sozusagen.
Jenny Lepis: In anderen Ländern gibt es dann andere unbefristete Arbeitsverhältnisse neben
Jenny Lepis: der Professur und es gibt immerhin in Deutschland jetzt auch Bestrebungen oder
Jenny Lepis: jedenfalls vom Wissenschaftsrat zum Beispiel den sehr nachdrücklichen Rat,
Jenny Lepis: dass Deutschland sich jetzt entsprechend auch darum kümmert,
Jenny Lepis: unbefristete Beschäftigungsverhältnisse neben der Professur zu schaffen,
Jenny Lepis: weil man halt sonst so ein Up-or-Out-Prinzip hat.
Jenny Lepis: Also entweder wirst du Professorin oder du fließt halt raus.
Jenny Lepis: Und dazwischen gibt es so gut wie nichts. Da gibt es noch ein paar unbefristete
Jenny Lepis: Stellen, die zum Teil aber ganz, ganz viel Lehrverpflichtung haben,
Jenny Lepis: sodass man eigentlich selbst, wenn man nur die Lehre macht und nicht noch Administrationskram
Jenny Lepis: und noch Arbeiten korrigiert und betreut und so,
Jenny Lepis: selbst dann kommt man schon eigentlich nicht in der Arbeitszeit,
Jenny Lepis: die man vertraglich leisten muss, mit den Sachen durch.
Jenny Lepis: Also man hat eigentlich ständig mehr Arbeit durch diese hohe Lehrbelastung.
Jenny Lepis: Das heißt, es sind auch nicht so attraktive Stellen. Und das macht natürlich
Jenny Lepis: das ganze deutsche Wissenschaftssystem nicht so furchtbar attraktiv.
Jenny Lepis: Das merkt man jetzt auch schon. Wir haben jetzt schon Fachkräftemangel.
Jenny Lepis: Also wir sehen jetzt schon auch, dass auch die Hochschulen letztlich sagen,
Jenny Lepis: ihre Personal- und Rekrutierungssituation ist wirklich nicht mehr gut.
Jenny Lepis: Und in einigen Disziplinen hören wir schon seit vielen, vielen Jahren von ProfessorInnen,
Jenny Lepis: dass sie die Mitarbeiterstellen, die sie haben, gar nicht besetzen können,
Jenny Lepis: weil die Leute einfach in vielen Bereichen sich sagen, warum soll ich mir das
Jenny Lepis: jetzt eigentlich antun?
Jenny Lepis: Also warum soll ich so eine wackelige Beschäftigung mir jetzt antun,
Jenny Lepis: wenn ich weiß, dass ich wahrscheinlich am Ende rausfliege, hochqualifiziert
Jenny Lepis: aus dem ganzen System und vor allen Dingen dann in der Zeit auch noch mit entgrenzten
Jenny Lepis: Arbeitszeiten zu tun habe, mit ganz vielen unbezahlten Überstunden,
Jenny Lepis: mit diesem Zwang, ständig mobil zu sein, immer wieder wechselt der Arbeitsort,
Jenny Lepis: man muss in eine neue Stadt ziehen, das ist furchtbar teuer,
Jenny Lepis: man kann keine Rücklagen bilden.
Jenny Lepis: Häufig arbeitet man in Teilzeit auf dem Papier, aber faktisch arbeitet man Vollzeit und mehr.
Jenny Lepis: Und das sind alles eben Faktoren, die das System fürchterlich unattraktiv machen.
Jenny Lepis: Das heißt also, das schadet letztlich nicht nur den Beschäftigten,
Jenny Lepis: sondern auch einem Wissenschaftssystem. Wenn das irgendwie gute Leute gewinnen
Jenny Lepis: will, dann muss es sich natürlich irgendwie attraktiver aufstellen eigentlich.
Jenny Lepis: Ich hatte gestern nochmal nachgeguckt.
Jenny Lepis: Es gibt in Deutschland 52.000 Professoren oder Professoren und Professoren.
Jenny Lepis: Also das ist tatsächlich ja keine sehr große Gruppe.
Jenny Lepis: Also entweder kriegst du so eine Stelle, wenn du quasi dich hinten anstellst
Jenny Lepis: und vielleicht wartest, dass irgendwie jemand in Rente geht oder pensioniert
Jenny Lepis: wird sozusagen oder sich irgendwie ein eigener Lehrstuhl bildet.
Jenny Lepis: Das ist ja schon ein sehr krasser Flaschenhalt einfach.
Jenny Lepis: Aber alles, was du jetzt so schilderst, wieso war das dann für dich so attraktiv,
Jenny Lepis: trotzdem so eine Professur zu bekommen?
Jenny Lepis: Ja, das ist eine gute Frage und ich meine, es ist ja jetzt nicht so,
Jenny Lepis: dass mir das alles so zugestoßen ist.
Jenny Lepis: Also ein Stück weit kann man natürlich sagen, man gerät halt da rein,
Jenny Lepis: indem man irgendwie im Studium feststellt, das macht mir Spaß,
Jenny Lepis: dieses wissenschaftliche Arbeiten, dem kann ich was abgewinnen.
Jenny Lepis: Bei mir war es vor allen Dingen, also ich fand jetzt, glaube ich,
Jenny Lepis: nie so geil, alleine so Texte zu schreiben.
Jenny Lepis: Also ich schreibe ganz gern tatsächlich und ich weiß auch, dass das nicht immer
Jenny Lepis: freudvoll ist, aber wissenschaftliches Schreiben ist jetzt nicht so auf der
Jenny Lepis: Liste ganz oben von den Dingen, die ich jetzt gerne mache, weil das ja auch sehr einsam ist häufig.
Jenny Lepis: Also jedenfalls in den Geisteswissenschaften, in der Philosophie schreibt man alleine meistens.
Jenny Lepis: Aber was ich immer schon toll fand, war mit Leuten gemeinsam Probleme durchdenken,
Jenny Lepis: Sachen verstehen, Theorien verstehen, Argumente zerlegen und feststellen,
Jenny Lepis: warum die funktionieren oder auch nicht.
Jenny Lepis: Und da halt mit Leuten im Austausch zu sein, das fand ich immer super attraktiv.
Jenny Lepis: Und das ist ja nun Teil des Jobs, also auch in der Lehre zum Beispiel,
Jenny Lepis: was, finde ich, ein sehr schöner Aspekt an dem Job ist.
Jenny Lepis: Aber es war jetzt nie so, dass ich jetzt gesagt hätte, ich möchte jetzt unbedingt
Jenny Lepis: Professorin werden, weil ich
Jenny Lepis: aus irgendwelchen Gründen das jetzt für besonders erstrebenswert halte.
Jenny Lepis: Was ich immer gesagt habe, ist, ich würde einfach diesen Beruf gerne weitermachen.
Jenny Lepis: Also ich würde einfach gerne wissenschaftlich arbeiten weiterhin und ich würde
Jenny Lepis: gerne weiter lehren und all diese Dinge.
Jenny Lepis: Auch Wissenschaftskommunikation ist für mich immer eine Sache gewesen,
Jenny Lepis: die ich sehr gern gemacht habe und die ich gerne weitermachen möchte.
Jenny Lepis: Aber weil es eben nicht so viele Alternativen zur Professur gibt,
Jenny Lepis: ist man ja praktisch gezwungen, dann darauf zu setzen.
Jenny Lepis: Und das habe ich dann eben auch gemacht. Also ich bin ja jetzt auch Juniorprofessorin,
Jenny Lepis: allerdings ohne einen sogenannten Tenure-Track.
Jenny Lepis: Also es gibt die so in zwei Varianten, diese Juniorprofessoren.
Jenny Lepis: Einmal, also erstmal, die sind befristet. Das ist sozusagen der Witz daran und
Jenny Lepis: sollen eigentlich eine frühe Unabhängigkeit ermöglichen.
Jenny Lepis: Also ich bin jetzt nicht die Mitarbeiterin von irgendeinem Professor,
Jenny Lepis: sondern ich bin halt schon recht unabhängig.
Jenny Lepis: Nicht ganz so unabhängig wie die normale Professur aus verschiedenen Gründen,
Jenny Lepis: aber bei mir ist es halt so, ich habe eben keinen Tenure-Track,
Jenny Lepis: das heißt, da ist keine Entfristungsperspektive vorgesehen.
Jenny Lepis: Die Variante mit einem Tenure-Track, da vereinbart man mit der Uni,
Jenny Lepis: mit dem Institut, mit seinem Umfeld, wo man da unterwegs ist,
Jenny Lepis: verschiedene Ziele, die man erreichen soll und wenn man die in einem bestimmten
Jenny Lepis: Zeitraum erreicht, dann bekommt man die Lebenszeit-Professur.
Jenny Lepis: Aber die Variante der Junior-Professur, wie ich sie habe, da ist das halt nicht vorgesehen.
Jenny Lepis: Das heißt, man ist dann weiter in dieser Bewerbungsmühle drin.
Jenny Lepis: Und du hast es ja schon gesagt, es gibt nicht so furchtbar viele Professuren.
Jenny Lepis: Jetzt kann man irgendwie hoffen, dass da Leute in Rente gehen,
Jenny Lepis: die im Bereich arbeiten, wo man selber arbeitet.
Jenny Lepis: Weil ich kann mich ja jetzt auch nicht auf jede beliebige Professur bewerben.
Jenny Lepis: Nicht mal in der Philosophie kann ich mich auf jede Professur bewerben,
Jenny Lepis: sondern die muss halt genau thematisch zugeschnitten sein.
Jenny Lepis: Also das heißt, wenn ich Glück habe, werden vielleicht zehn Professuren in meinem
Jenny Lepis: Bereich im Jahr ausgeschrieben.
Jenny Lepis: Ich würde sagen, das wäre schon großes Glück. Es gibt Leute,
Jenny Lepis: bei denen werden vielleicht zwei, drei Professuren im Jahr ausgeschrieben.
Jenny Lepis: Und dann bewerben sich da hunderte von Leuten drauf. Vielleicht auch ein bisschen
Jenny Lepis: weniger, je nach Fach, aber schon auch einige.
Jenny Lepis: Und die Wahrscheinlichkeit, dass man da dann zum Zug kommt, die ist relativ geringe.
Jenny Lepis: Und insofern, da habe ich jetzt nie gedacht, das ist ja richtig cool.
Jenny Lepis: Ich möchte mich jetzt gerne mit anderen unheimlich guten und auch noch netten
Jenny Lepis: anderen KollegInnen, die ich ja zum Teil auch sehr gut kenne.
Jenny Lepis: Da jetzt die ganze Zeit betteln um diese Stellen.
Jenny Lepis: Also ich möchte jetzt irgendwie diesen Konkurrenzkampf, den finde ich richtig
Jenny Lepis: toll, das hätte ich jetzt nie gesagt, sondern es ging eher darum,
Jenny Lepis: ich möchte einfach gerne diesen Beruf weitermachen.
Jenny Lepis: Und wenn das in Deutschland nur unter dieser Bedingung geht,
Jenny Lepis: habe ich halt lange Zeit gedacht, gut, dann muss ich das jetzt halt versuchen.
Jenny Lepis: Und das habe ich eben lange Zeit gemacht und jetzt habe ich keine Lust mehr.
Jenny Lepis: Nochmal ganz kurz zu diesem, was du meintest mit dem Junior-Professor, mit Tenure-Track.
Jenny Lepis: Ist das quasi auch so, dass du dann da nochmal innerhalb dieses Tracks,
Jenny Lepis: wenn du sagst, es sind bestimmte Ziele gesteckt, dass du da nochmal konkurrierst
Jenny Lepis: mit anderen, die auch auf diesem Track sind?
Jenny Lepis: Oder ist das schon so, es wird dann gesagt, du machst jetzt das und das und
Jenny Lepis: du bist da auch die einzige Kandidatin quasi für, also...
Jenny Lepis: Genau, letztes Mal ausweich erfahren. Letzteres, also du hast quasi eine Zusage,
Jenny Lepis: dass wenn du das jetzt schaffst, diese Ziele zu erreichen, dann bekommst du
Jenny Lepis: auch die Lebenszeitprofessur.
Jenny Lepis: Also da konkurrierst du dann nicht mit anderen, so wie es halt bei dem klassischen
Jenny Lepis: Prinzip ist, dass man quasi nach der Promotion macht man dann vielleicht noch
Jenny Lepis: so einen Postdoc oder habilitiert sich auch in den Geisteswissenschaften.
Jenny Lepis: Also sprich, schreibt ein zweites Buch häufig oder auch kumulativ irgendwelche
Jenny Lepis: Aufsätze. Also man muss dann halt nochmal sich beweisen.
Jenny Lepis: Also das, was sich so ein bisschen durchzieht durch diese sogenannte Karriere,
Jenny Lepis: ist, dass man sich ständig beweisen muss. Also eigentlich reicht es nie.
Jenny Lepis: Man kann eigentlich die ganze Zeit immer nur versuchen abzuliefern,
Jenny Lepis: was das System von einem verlangt.
Jenny Lepis: Das ist eigentlich immer so ein bisschen mehr, als man sozusagen gesunderweise
Jenny Lepis: und realistischerweise leisten kann in einem auch normalen Zeitraum,
Jenny Lepis: wie man vielleicht so seinen Beruf organisiert.
Jenny Lepis: Also sprich in einem normalen Arbeitstag
Jenny Lepis: und auch ohne, dass man jetzt am Wochenende und im Urlaub arbeitet.
Jenny Lepis: Das kann man machen. Es gibt auch Leute, die das zum Glück so machen,
Jenny Lepis: auch im Wissenschaftssystem.
Jenny Lepis: Aber da ist natürlich dann die große Befürchtung, dass man abgehängt wird.
Jenny Lepis: Und weil die Wahrscheinlichkeit so super klein ist, dass man dann so eine Professur
Jenny Lepis: bekommt, also ich meine, bei dieser Tenure-Track-Konstellation ist es zumindest
Jenny Lepis: so, dass man am Anfang dann diese Ziele vereinbart und dann weiß man zumindest,
Jenny Lepis: wenn ich das und das und das liefere,
Jenny Lepis: dann bekomme ich diese...
Jenny Lepis: Ich bin Lebenszeitprofessur. Allerdings muss man dazu sagen,
Jenny Lepis: dass diese Ziele auch unterschiedlich konkret formuliert sein können zum Beispiel.
Jenny Lepis: Also je nachdem, wie konkret die formuliert sind oder wie unkonkret vielleicht
Jenny Lepis: auch, gibt es da möglicherweise auch Spielräume, sodass man eben vielleicht
Jenny Lepis: auch durchaus eine berechtigte Sorge hat, dass es dann doch nicht reicht und
Jenny Lepis: dass man dann eben lieber noch mehr macht.
Jenny Lepis: Also eigentlich ist das Prinzip immer, ich setze lieber noch einen drauf,
Jenny Lepis: weil ich dann halt quasi die Wahrscheinlichkeit gefühlt ein bisschen erhöhe,
Jenny Lepis: dass es klappt, als dass ich das jetzt nicht mache.
Jenny Lepis: Und das sieht eben dann so aus, ich bin jetzt 40 Jahre alt, ich habe 14 Jahre
Jenny Lepis: das gemacht und ich habe einfach wirklich sehr, sehr viel gearbeitet die letzten
Jenny Lepis: Jahre, auch sehr viel an Wochenenden.
Jenny Lepis: Ich habe meinen Urlaub gecancelt, weil ich einen Drittmittelantrag geschrieben
Jenny Lepis: habe und da in der letzten Runde war und dann habe ich halt den Urlaub wirklich abgesagt.
Jenny Lepis: Ich habe im Urlaub ganz oft irgendwelche Sachen gemacht, also irgendwelche Druckfahren
Jenny Lepis: korrigiert, irgendwelche Aufsätze und so weiter.
Jenny Lepis: Also das ist eigentlich so ein ständiges Liefern müssen,
Jenny Lepis: so eine ständige Anforderung und eben halt immer der Gedanke,
Jenny Lepis: wenn ich da jetzt nicht mitspiele und wenn ich mich da jetzt mal rausziehe,
Jenny Lepis: dann bezahle ich möglicherweise damit, dass das das Ende meiner Karriere ist.
Jenny Lepis: Und das ist nicht so schön. Also das ist bei allem Guten, dass der Job sicher
Jenny Lepis: hat irgendwie, dass es halt interessante Themen sind, dass es toll ist,
Jenny Lepis: mit interessanten Leuten sich auszutauschen und sowas und dass auch die Lehre total erfüllend ist.
Jenny Lepis: Das ist alles sicher der Fall, aber es bleibt einfach dabei,
Jenny Lepis: dass der Preis unheimlich hoch ist und übrigens ist jetzt auch kürzlich eine Studie erschienen,
Jenny Lepis: die zeigt, dass das bei den Profs auf Lebenszeit nicht viel anders ist,
Jenny Lepis: also auch das von denen sehr, sehr viele auch gesundheitliche Probleme haben, Schlafstörungen,
Jenny Lepis: Konzentrationsprobleme,
Jenny Lepis: Antriebsstörungen und so weiter. Also das geht so weiter.
Jenny Lepis: Sie haben dann zwar nicht mehr diese prekäre Situation, dass sie nicht wissen,
Jenny Lepis: ob sie in drei Jahren noch ihre Miete zahlen können und wo sie dann wohnen werden
Jenny Lepis: und arbeiten und ob sie überhaupt einen Job haben.
Jenny Lepis: Die haben aber trotzdem noch diese entgrenzten Arbeitszeiten und diese ja eigentlich
Jenny Lepis: unmenschlichen Anforderungen, dass man halt ständig immer am Ball bleiben muss
Jenny Lepis: und immer erreichbar sein muss und wirklich keine Pausen machen kann.
Jenny Lepis: Das sind aber auch Gefühle, die du nachvollziehen kannst, dass du mit den Existenzängsten
Jenny Lepis: nicht mehr Miete bezahlen kannst oder so. Das, was du auch selbst erlebt hast.
Jenny Lepis: Ja, ich kann das ganz offen sagen. Also erstmal war ich arbeitslos,
Jenny Lepis: also erwerbsarbeitslos während meiner Promotionszeit schon.
Jenny Lepis: Also ich habe erst dreieinhalb Jahre eine Stelle gehabt, eine halbe Stelle natürlich
Jenny Lepis: mit Vollzeitarbeit und danach ein Stipendium für zehn Monate.
Jenny Lepis: Zum Glück nur für zehn Monate, kann man sagen, weil dadurch habe ich quasi den
Jenny Lepis: Anspruch auf Arbeitslosengeld aus dieser halben Stelle, den ich hatte, noch rüber gerettet.
Jenny Lepis: Wenn jetzt das Stipendium länger gelaufen wäre, dann hätte ich damals Hartz IV bekommen.
Jenny Lepis: So habe ich aber Arbeitslosengeld bekommen, was für eine halbe Stelle jetzt
Jenny Lepis: auch nicht so furchtbar viel war und habe halt dann die Promotion abgeschlossen
Jenny Lepis: in der Arbeitslosigkeit, also die Dissertation dann fertig geschrieben.
Jenny Lepis: Das war schon so, dass mich das sehr belastet hat, weil ich mich natürlich gefragt
Jenny Lepis: habe, geht das jetzt überhaupt weiter oder ist das hier alles eine Sackgasse,
Jenny Lepis: sollte ich das jetzt komplett abbrechen?
Jenny Lepis: Und ansonsten hangel ich mich halt von einem Vertrag zum nächsten.
Jenny Lepis: Jetzt in Stuttgart habe ich eben eine Juniorprofessur, die es ermöglicht,
Jenny Lepis: einfach mal über einen sehr langen Zeitraum für meine Verhältnisse eine gewisse Sicherheit zu haben.
Jenny Lepis: Also ich hatte erstmal vier Jahre quasi, die laufen jetzt gerade dann Ende März
Jenny Lepis: aus und dann musste ich mich bewähren. Wie gesagt, man muss immer liefern und
Jenny Lepis: musste dann zeigen, dass ich es also wert bin, dass man mir jetzt noch zwei Jahre gibt.
Jenny Lepis: Und das habe ich eben erfolgreich getan. Jetzt habe ich nochmal diese zwei Jahre bekommen.
Jenny Lepis: Aber das ist halt trotzdem natürlich belastend. Und man muss eben auch ganz
Jenny Lepis: offen sagen, was jetzt Rücklagen anbelangt. Also ich meine, wie gesagt,
Jenny Lepis: ich bin 40, ich bin hochqualifiziert, ich bin promoviert.
Jenny Lepis: Ich habe ja auch Menschen im Freundes- und Bekanntenkreis, die beruflich andere
Jenny Lepis: Entscheidungen getroffen haben und da geht es dann um so Themen wie,
Jenny Lepis: ich würde mir gerne eine Wohnung kaufen oder sowas.
Jenny Lepis: Das höre ich dann und dann denke ich, Wahnsinn, ich werde das nicht können.
Jenny Lepis: Also ich habe einfach nicht die Möglichkeit, solche Investitionen zu tätigen.
Jenny Lepis: Einmal nicht, weil ich gar keinen Kredit bekommen würde, aber ich habe auch
Jenny Lepis: gar kein Eigenkapital, mit dem ich sowas machen könnte, weil man einfach ja
Jenny Lepis: über Jahrzehnte diese Pendelei hat. Also ich pendle seit 2015.
Jenny Lepis: Und dann auch sowohl in Düsseldorf, wo ich vorher war, als auch jetzt in Stuttgart,
Jenny Lepis: habe ich eine zweite Wohnung. Ich habe eine Bahncard 100.
Jenny Lepis: Das ist also sozusagen der Schlüssel, wenn man Zugfahnen richtig hassen lässt,
Jenny Lepis: muss man meine Pendelstrecke fahren. Das sind vier Stunden.
Jenny Lepis: Also wenn alles gut geht, eher fünf, weil ich auch noch zu dem einen Bahnhof
Jenny Lepis: erstmal hinkommen muss.
Jenny Lepis: Und dann fährt man also sehr viel Zug und gibt dafür auch inzwischen,
Jenny Lepis: das sind bald 5000 Euro, also es sind 4000 irgendwas, 700 oder sowas,
Jenny Lepis: die diese Bahncard 100 im Jahr kostet.
Jenny Lepis: Also das geht halt alles von dem Geld runter, was ich verdiene.
Jenny Lepis: Wenn man sich anschaut, ich verdiene, das kann jeder gerne machen.
Jenny Lepis: Also ich habe eine W1-Professur in Baden-Württemberg. Ich verdiene auf dem Papier sehr gut,
Jenny Lepis: aber dann kann man da eine zweite Wohnung runterrechnen, dann kann man da die
Jenny Lepis: Pendelei mit der Bahncard runterrechnen und eben auch noch viele andere Ausgaben,
Jenny Lepis: auch Umzugskosten und solche Dinge kommen dann ja regelmäßig dazu.
Jenny Lepis: Und das frisst einfach das Budget, was man so hat, frisst das auf.
Jenny Lepis: Und damit entsteht eigentlich so eine Art Erpressungssituation.
Jenny Lepis: Man könnte vielleicht sagen, also es wird ja auch gerne immer so diese versunkenen
Jenny Lepis: Kosten werden da gerne ins Feld geführt.
Jenny Lepis: Also dieser Fehlschluss, dass man denkt, ich habe jetzt so viel investiert,
Jenny Lepis: ich kann ja jetzt nicht aussteigen.
Jenny Lepis: Und so ein bisschen ist das in meiner Lebensphase dann so. Man ist dann halt
Jenny Lepis: so um die 40 und denkt, okay, ich könnte jetzt natürlich aussteigen.
Jenny Lepis: Aber was, glaube ich, viele Leute davon abhält, ist, dass die denken,
Jenny Lepis: dass halt mit der Lebenszeitprofessur, die ja eine Fairbeamtung umfasst in der Regel,
Jenny Lepis: quasi diese ganzen Probleme wieder wettgemacht werden.
Jenny Lepis: Also dass man dann das Risiko der Altersarmut, das für mich ein reales Ding
Jenny Lepis: ist, das kann mir passieren, dass man das quasi dann ausräumt,
Jenny Lepis: weil man dann halt einen Pensionsanspruch als Beamtin plötzlich hat.
Jenny Lepis: Und dass man eben plötzlich dann sehr sicher ist und sehr gut verdient.
Jenny Lepis: Aber diese Rechnung geht für die allermeisten ja sowieso nicht auf.
Jenny Lepis: Also ich könnte jetzt natürlich weiterhin versuchen, da dieser Karotte hinterher
Jenny Lepis: zu jagen, so wie das ganz viele andere machen und im Zweifel ist man dann nachher
Jenny Lepis: nicht erfolgreich oder man ist es vielleicht,
Jenny Lepis: aber man hat dann einfach nochmal wieder Jahre seines Lebens sich verausgabt
Jenny Lepis: und das ist jetzt auch nicht schön und es geht einem jetzt auch nicht gut damit, würde ich sagen.
Jenny Lepis: Also das ist irgendwie kein schönes Leben auf Dauer und dafür,
Jenny Lepis: dass die Wahrscheinlichkeit jetzt nicht so hoch ist, dass es dann Erfolg verspricht.
Jenny Lepis: Das ist dann einfach die Kostenabwägung, wenn man jetzt mal diese ganzen investierten
Jenny Lepis: Kosten außen vor lässt und sagt, ich habe doch jetzt schon so viel dafür getan,
Jenny Lepis: ich kann ja jetzt nicht aussteigen.
Jenny Lepis: Doch, man kann immer aussteigen und man sollte es auch machen,
Jenny Lepis: wenn man nämlich feststellt, dass in der Zukunft die Kosten,
Jenny Lepis: die das Potenzial noch hat, so hoch sind und vielleicht auch das,
Jenny Lepis: was man gewinnen kann, und das war für mich ja der Hauptpunkt.
Jenny Lepis: Gar nicht mehr so unbedingt erstrebenswert ist.
Jenny Lepis: Also ich habe ja immer gedacht, die Professur ist mein Ziel,
Jenny Lepis: da muss ich jetzt unbedingt hin und wenn ich da ankomme, dann geht der Himmel
Jenny Lepis: auf und die Englein singen und das ist alles toll.
Jenny Lepis: Und inzwischen ist mir klar geworden, dass das natürlich eine total verklärte
Jenny Lepis: Vorstellung ist, was das System auch gerne macht.
Jenny Lepis: Das System lässt uns ja gerne glauben, das wäre so das Nonplusultra und es ist
Jenny Lepis: das Glück der Welt und plötzlich ist alles toll. Man hat jahrelang gelitten
Jenny Lepis: und aber dann auf einmal ist alles super.
Jenny Lepis: Und wie gesagt, ProfessorInnen sind auch alle unter Druck. Denen geht es jetzt auch nicht super.
Jenny Lepis: Die arbeiten extrem viel und es gibt an dem Job auch vieles, was nicht toll ist.
Jenny Lepis: Und wenn man das im Verhältnis setzt zu dem, was man investiert,
Jenny Lepis: dann ist es halt tatsächlich aus meiner Sicht nicht so erstrebenswert.
Jenny Lepis: Was ich mich noch gefragt habe, dieser Hashtag Ich bin Hanna,
Jenny Lepis: das ist jetzt fünf Jahre her.
Jenny Lepis: Also ist das vielleicht so rückblickend so eine Art Wendepunkt gewesen,
Jenny Lepis: dass vielleicht dann so ein Prozess eingesetzt hat oder war das eh immer präsent,
Jenny Lepis: dass alles sowieso prekär ist für dich?
Jenny Lepis: Oder also ich frage mich halt, ob es auf dem Weg dahin bis heute sozusagen immer
Jenny Lepis: mal wieder Szenen gab, wo du dachtest, okay, ich packe das jetzt hier einfach nicht mehr.
Jenny Lepis: Ja, immer. Also jahrelang und auch schon, also Imposter-Syndrom ist ja auch so ein Ding.
Jenny Lepis: Also ich habe irgendwie während des Studiums schon, ich habe den Master übersprungen,
Jenny Lepis: also ich habe eine sogenannte Fast-Track-Promotion gemacht, direkt nach dem Bachelor.
Jenny Lepis: Klingt toll, ist nur so mittelempfehlenswert, weil man nämlich zum Beispiel
Jenny Lepis: dann auch weniger verdient, weil man halt niedriger eingruppiert wird ohne Master.
Jenny Lepis: Die Promotion ist nämlich nicht eingruppierungsrelevant im öffentlichen Dienst.
Jenny Lepis: Und wenn man ein Master hat, muss man erstmal darum kämpfen,
Jenny Lepis: dass man quasi, obwohl man schon promoviert ist, gleichgestellt ist mit den
Jenny Lepis: Leuten, die einen Masterabschluss haben.
Jenny Lepis: Aber klar, da habe ich dann natürlich schon gedacht, okay, bin ich denn jetzt
Jenny Lepis: da wirklich so gut aufgestellt, dass das irgendwie funktioniert?
Jenny Lepis: Also bin ich gut genug? Das war immer eine Frage.
Jenny Lepis: Und ich habe mich natürlich von Anfang an auch jetzt nicht darüber gefreut,
Jenny Lepis: wenn dann die Erwartungshaltung war, dass man am Wochenende ständig arbeitet.
Jenny Lepis: Sei es jetzt, weil man irgendwas erledigen muss oder weil man auf irgendwelchen
Jenny Lepis: Konferenzen rumspringt. Die sind ja auch gerne am Wochenende.
Jenny Lepis: Abendtermine ständig. Also ich habe seit Jahren irgendwelche Abendtermine und
Jenny Lepis: auch da gilt, da ist man dann halt irgendwie 22 Uhr, 23 Uhr dann zu Hause.
Jenny Lepis: Und am nächsten Tag geht es um 6 Uhr wieder los und klar, das kann man ein paar
Jenny Lepis: Jahre machen, aber die Frage ist natürlich, ist das jetzt so eine super tolle
Jenny Lepis: Idee, das jetzt weiterzumachen, wenn man für sich versteht,
Jenny Lepis: dass das halt nichts ist und ich glaube, du hast recht, dass das schon auch
Jenny Lepis: viel mit Ich bin Hanna zu tun hatte.
Jenny Lepis: Also das hat bei mir natürlich da den Prozess nochmal sehr verstärkt,
Jenny Lepis: darüber nachzudenken, was an dem System aus meiner Perspektive problematisch
Jenny Lepis: ist und das ja auch zu kritisieren, auch mit einem politischen Impact zu kritisieren.
Jenny Lepis: Also wir haben unsere Kernforderungen im Koalitionsvertrag der aktuellen Bundesregierung drin.
Jenny Lepis: Im Koalitionsvertrag der Ampelregierung damals waren wir auch präsent mit unseren Kernforderungen.
Jenny Lepis: Das heißt, es schlägt sich da schon einiges nieder.
Jenny Lepis: Und auch sonst merkt man das. Und bei mir persönlich hat sich das so ausgewirkt,
Jenny Lepis: dass ich dann irgendwann auch festgestellt habe, ich bin einfach zu bestimmten
Jenny Lepis: Dingen nicht mehr bereit. Am Anfang wird man so da reingezogen und es wird gesagt,
Jenny Lepis: Wissenschaft ist eben so.
Jenny Lepis: Wissenschaft ist eben, da gibt es keinen Feierabend, da gibt es keinen Urlaub,
Jenny Lepis: da gibt es kein Wochenende.
Jenny Lepis: Das ist so, das läuft so. Und am Anfang kann man ja dann nicht sagen,
Jenny Lepis: nee, das glaube ich jetzt nicht, sondern da ist man erstmal,
Jenny Lepis: denkt man, ja, okay, alles klar.
Jenny Lepis: Aber ich mache es halt so gerne, dass ich das jetzt versuche,
Jenny Lepis: trotzdem hinzubekommen.
Jenny Lepis: Aber ich habe dann zunehmend einfach Grenzen gesetzt, auch wenn ich festgestellt
Jenny Lepis: habe, es gibt grenzüberschreitendes Verhalten, welcher Art auch immer in diesem
Jenny Lepis: Betrieb, habe ich das mir dann irgendwann nicht mehr gefallen lassen.
Jenny Lepis: Und das hat dann mehr und mehr dazu geführt, dass ich mich auch bestärkt gefühlt
Jenny Lepis: habe in dieser Entscheidung, dass ich das nicht mehr mitmachen möchte.
Jenny Lepis: Also ich will nicht sagen, dass das der einzige Weg ist. Es gibt sicherlich
Jenny Lepis: auch Leute wie meine Kollegin Christine Eichhorn,
Jenny Lepis: die da, glaube ich, einen sehr gesunden Umgang mit hat und einfach sehr souverän
Jenny Lepis: ihre Arbeit macht und dann aber auch Grenzen setzt.
Jenny Lepis: Und das eben innerhalb des Betriebs so macht, dass ich glaube,
Jenny Lepis: dass das auch einen Vorbildcharakter hat und dass Leute sich daran was abgucken könnten und sollten.
Jenny Lepis: Und eben übrigens auch die Profs, die dann alle so viel arbeiten,
Jenny Lepis: obwohl sie es ja vielleicht zum Teil gar nicht mehr müssten,
Jenny Lepis: weil sie ihren Job dann nicht verlieren, wenn sie das lassen.
Jenny Lepis: Also die Leute, die quasi im System sicher sind, zu denen gehört Christine im
Jenny Lepis: Übrigen ja auch nicht und trotzdem kriegt sie das hin,
Jenny Lepis: aber diejenigen, die halt sicher sind im Job und halt auf dem ist halt verbeamtet,
Jenny Lepis: die sollten eigentlich auch dadurch,
Jenny Lepis: dass sie Grenzen setzen und gesunde Arbeitszeiten selber umsetzen,
Jenny Lepis: dafür sorgen, dass die Standards nicht für alle schlechter werden.
Jenny Lepis: Weil wenn man natürlich in einer Situation, wo man quasi Grenzen setzen kann,
Jenny Lepis: ohne dass es einem persönlich und beruflich schadet, das nicht macht,
Jenny Lepis: dann sind die Standards für alle so,
Jenny Lepis: dass sie halt einfach mit Wochenendarbeit und all diesen Dingen sind und das
Jenny Lepis: ist aus meiner Perspektive nicht zwingend.
Jenny Lepis: Und gemeinsam versorgen, dass das System besser wird.
Jenny Lepis: Die Christine Eichhorn, die sagt dann quasi ganz klar, jetzt habe ich Wochenende,
Jenny Lepis: jetzt mache ich auch nichts, keine Mails abrufen.
Jenny Lepis: Oder was meinen Sie mit Grenzen setzen? Genau, die setzt einfach in dem Sinne
Jenny Lepis: Grenzen, dass sie eben jetzt nicht sich von dieser Erwartungshaltung,
Jenny Lepis: dass man jetzt ständig überall immer erreichbar ist und dass man ständig immer
Jenny Lepis: arbeitet und alles mitmachen muss und sowas,
Jenny Lepis: dass sie sich davon jetzt irgendwie unter Druck setzen lässt.
Jenny Lepis: Also das ist, glaube ich, ganz wichtig und eben auch mit einer sehr großen Empathie,
Jenny Lepis: was mir auch zugute kommt.
Jenny Lepis: Also wir arbeiten ja sehr eng zusammen seit vielen Jahren, auch mit Sebastian
Jenny Lepis: Kubon und wir drei ergänzen uns da wirklich auch ganz gut.
Jenny Lepis: Und alleine auch diese Wertschätzung, die ich durch diese beiden Kolleginnen
Jenny Lepis: erlebe in der Zusammenarbeit, die ist einfach so neu gewesen für mich.
Jenny Lepis: Also ich kam aus einem akademischen Betrieb aus.
Jenny Lepis: Wo eigentlich so das Motto war, nicht gemeckert ist genug gelobt, so ungefähr.
Jenny Lepis: Also eigentlich kriegt man immer nur auf den Deckel, wenn was nicht gut gelaufen
Jenny Lepis: ist oder vermeintlich nicht gut gelaufen ist.
Jenny Lepis: Aber wenn man mal was gut macht, interessiert es eigentlich niemanden.
Jenny Lepis: Das wird dann so abgehakt und man rennt sofort zum nächsten Schauplatz,
Jenny Lepis: den man irgendwie bespielen muss.
Jenny Lepis: Und da jetzt mal zu erleben, wie das ist, wenn man einfach auch Worte der Wertschätzung,
Jenny Lepis: der Anerkennung bekommt für die eigene Arbeit und darin zu wachsen auch letztlich,
Jenny Lepis: auch was das eigene Schreiben betrifft.
Jenny Lepis: So, da habe ich einfach so viel gelernt und mitgenommen und will eben damit sagen, das ist ja da,
Jenny Lepis: also diese beiden sind ja auch Teil des Systems und man könnte das eben so fördern,
Jenny Lepis: dass Leute so miteinander umgehen und stattdessen machen wir halt Wettbewerb
Jenny Lepis: und Wettkampf und Exzellenzstrategie und all diese Dinge.
Jenny Lepis: Also immer müssen alle mit allen konkurrieren um Stellen, um Preise,
Jenny Lepis: um Gelder und das ist kontraproduktiv für Kooperation, für Solidarität miteinander.
Jenny Lepis: Das ist also wirklich etwas, was die Zusammenarbeit aus meiner Perspektive viel
Jenny Lepis: schlechter macht, als sie sein könnte, weil die Leute sind ja auch häufig sehr
Jenny Lepis: kooperativ und interessiert daran, gut miteinander zusammenzuarbeiten.
Jenny Lepis: Und sich auch gegenseitig zu stärken und auch inhaltlich irgendwie weiterzubringen.
Jenny Lepis: Aber das wird im System halt nicht belohnt, ist ja klar, weil das ist ja meine Konkurrenz.
Jenny Lepis: Also wenn ich jetzt mit Leuten was gemeinsam mache...
Jenny Lepis: Es gibt so oft Leute, die mir dann sagen, ich weiß jetzt gar nicht,
Jenny Lepis: ob ich meine Forschungsidee jetzt hier auf der Konferenz überhaupt erzählen
Jenny Lepis: soll, weil dann wird die mir nachher geklaut.
Jenny Lepis: Also ich meine, wie gut ist das für Wissenschaft, wenn die Leute sich zurückhalten,
Jenny Lepis: ihre Forschungsideen und Ergebnisse zu präsentieren, bevor die veröffentlicht
Jenny Lepis: sind, weil sie Angst haben, dass jemand anders ihnen die wegnimmt.
Jenny Lepis: Also es sollte ja eigentlich darum gehen, möglichst viele Erkenntnisse gemeinsam
Jenny Lepis: als Wissenschaftsgemeinschaft hervorzubringen und die irgendwie weiterzutragen und zu entwickeln.
Jenny Lepis: Und das wird aber eigentlich ausgebremst, weil die Leute halt dann ständig darauf
Jenny Lepis: gucken müssen, dass sie irgendwie in diesem System nicht untergehen.
Jenny Lepis: Und warum man das jetzt so macht, also ich glaube nicht, dass das für die Inhalte
Jenny Lepis: und für die Wissenschaft Vorteile hat.
Jenny Lepis: Das hat, glaube ich, eher wirklich gravierende Nachteile.
Jenny Lepis: Genau, du hattest ja schon gesagt, die Unis sagen jetzt schon selber,
Jenny Lepis: wir können Stellen nicht besetzen oder beziehungsweise die Expertise fehlt.
Jenny Lepis: Kommen wir nochmal zu den Rahmenbedingungen sozusagen, wie du die dir vorstellst.
Jenny Lepis: Also ich hatte jetzt nochmal gelesen, dass die Ampelregierung,
Jenny Lepis: die hatte damals ja schon einen Entwurf publiziert, quasi wie eine Reform aussehen könnte.
Jenny Lepis: Das klang jetzt ehrlich gesagt auch nicht so super. So Arbeitsverträge nach
Jenny Lepis: der Promotion für mindestens zwei Jahre.
Jenny Lepis: Also so Planungssicherheitsmäßig klingt das jetzt auch nicht so krass gut.
Jenny Lepis: Wie wären denn deine oder eure Vorstellungen quasi, wenn jetzt Mitte 26 neuer Plan erarbeitet wird?
Jenny Lepis: Was wären so die Eckpfeiler, die du dir wünschen würdest?
Jenny Lepis: Also einerseits sind diese Mindestvertragslaufzeiten, also die Frage ist tatsächlich,
Jenny Lepis: wie lang sollen die sein?
Jenny Lepis: Also die dürfen nicht so kurz sein, da stimmt es dir zu, wenn die zu kurz sind,
Jenny Lepis: dann ist nicht viel gewonnen und also es müsste natürlich eigentlich sinnvollerweise
Jenny Lepis: so sein, dass die Promotionszeit oder die Zeit, die ich dann für mein Forschungsprojekt
Jenny Lepis: da investieren muss, dass die abgedeckt ist.
Jenny Lepis: Also dass ich halt nicht quasi, so wie ich das ja während meiner Promotion auch
Jenny Lepis: hatte, dann mittendrin nicht weiß, werde ich jetzt eigentlich weiterfinanziert
Jenny Lepis: und kann ich das Projekt eigentlich noch zu Ende bringen.
Jenny Lepis: Das setzt die Leute einfach unter Druck und macht sie auch sehr abhängig von
Jenny Lepis: Vorgesetzten und BetreuerInnen und sowas und das ist halt ein Problem.
Jenny Lepis: Also sprich, Mindestvertragslaufzeiten sind ein guter Anfang,
Jenny Lepis: aber die müssten halt so lang sein,
Jenny Lepis: diese Laufzeiten, dass man realistischerweise dann auch dieses Projekt nicht
Jenny Lepis: irgendwie mittendrin quasi erstmal pausiert und sich fragt, kann ich das jetzt
Jenny Lepis: eigentlich weitermachen?
Jenny Lepis: Ja, ansonsten, was halt wichtig ist, ist, dass diese, ich sag mal,
Jenny Lepis: ausufernde Befristungspraxis in Deutschland eingedämmt wird.
Jenny Lepis: Im Moment ist das Gros des wissenschaftlichen Personals ja befristet beschäftigt in Deutschland.
Jenny Lepis: Also wir haben praktisch fast eine umgekehrte Quote wie auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt.
Jenny Lepis: Auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt sind befristete Arbeitsverhältnisse die Ausnahme
Jenny Lepis: und das unbefristete Arbeitsverhältnis ist das Normalarbeitsverhältnis, die Regel.
Jenny Lepis: Und das müsste man halt ändern. Und die Frage ist, und das war auch die Debatte
Jenny Lepis: in der von dir erwähnten Diskussion in der Ampel-Legislaturperiode, da war halt die Frage,
Jenny Lepis: wie kann man das jetzt eigentlich so umsetzen, dass man dieses Ziel erreicht,
Jenny Lepis: dass es halt weniger Befristung gibt in der Wissenschaft.
Jenny Lepis: Und eine Möglichkeit wäre tatsächlich, dass man es über Befristungshöchstquoten
Jenny Lepis: macht, also dass man quasi den Institutionen sagt, ihr dürft jetzt nur eine
Jenny Lepis: bestimmte Zahl von befristeten Stellen vergeben und der Rest muss unbefristet sein.
Jenny Lepis: Also das wäre einfach ein unmittelbarer Hebel, kann man sich ja vorstellen.
Jenny Lepis: Also im Moment zu viele befristete Stellen. Und wenn man das dann einfach deckeln
Jenny Lepis: würde, dann sagen die Institutionen, oh Gott, wie sollen wir das denn machen?
Jenny Lepis: Das muss man ja dann auf die Fächer verteilen und auf die Institute und so.
Jenny Lepis: Und dann muss man ja Personalplanung machen.
Jenny Lepis: Man denkt so, oh ja, na sowas, das hätte man ja nicht erwarten und sozusagen
Jenny Lepis: voraussetzen können, dass eine Institution wie eine Universität das macht.
Jenny Lepis: Ja, das müssen die dann machen. Natürlich müssen sie sich überlegen,
Jenny Lepis: wie sie das sinnvollerweise dann verteilen.
Jenny Lepis: Das ist eine Sache. Es gibt auch dann die Idee, das Ganze zu koppeln mit sogenannten
Jenny Lepis: Department-Strukturen.
Jenny Lepis: Im Moment ist ja die Professur nicht nur die einzige unbefristete Stelle,
Jenny Lepis: sondern die ist auch quasi so an der Spitze des Wissenschaftssystems,
Jenny Lepis: also ganz oben, so wie so ein kleines Königreich.
Jenny Lepis: Das gender ich jetzt auch extra nicht, weil das einfach nach wie vor,
Jenny Lepis: die meisten sind halt Männer, die meisten Profs immer noch.
Jenny Lepis: Und dann sind alle anderen sind so dieser Professorenperson zugeordnet als MitarbeiterInnen
Jenny Lepis: und arbeiten zu und sind abhängig, abhängig beschäftigt letztlich.
Jenny Lepis: Und das müsste halt so auch nicht sein, sondern man könnte eben die Hierarchien
Jenny Lepis: flacher machen, indem man mehr unabhängige Stellen schafft und die Leute eben
Jenny Lepis: nicht den Professuren zuordnet.
Jenny Lepis: Also dann bin ich halt als Postdoc nicht Mitarbeiterin von Professor XY,
Jenny Lepis: sondern ich habe eine eigene Position, die halt dann auch unbefristet ist als
Jenny Lepis: Regelfall und die dann eben es mir ermöglicht.
Jenny Lepis: Um unabhängig meine Themen zu setzen, zu forschen und zu arbeiten und eben nicht
Jenny Lepis: ständig da weisungsgebunden zu sein und meine eigenen Sachen unter einen Hut
Jenny Lepis: bringen zu müssen mit dem, was dann die vorgesetzte Person will.
Jenny Lepis: Das ist ja auch noch schwierig.
Jenny Lepis: Man kann natürlich auch sowas wie jetzt diesen Tenure-Track,
Jenny Lepis: über den wir eben gesprochen haben, für den Mittelbau, den sogenannten,
Jenny Lepis: also sprich für die wissenschaftlich Beschäftigten ohne Professur, sich überlegen.
Jenny Lepis: Das war auch Gegenstand der Diskussion in der letzten Legislaturperiode.
Jenny Lepis: Da war es so, dass die sogenannte Anschlusszusage tatsächlich auch Teil dieses
Jenny Lepis: Referentenentwurfs war.
Jenny Lepis: Also eine Anschlusszusage heißt auch, dass man nach einer kurzen,
Jenny Lepis: möglichst ganz kurzen Zeit, maximal zwei Jahre, war so unsere Überlegung,
Jenny Lepis: mit der Hochschule, mit der Universität Ziele vereinbart.
Jenny Lepis: Und dann hat man noch vier Jahre Zeit, die zu erreichen.
Jenny Lepis: Und wenn man die erreicht hat, bekommt man eine unbefristete Stelle.
Jenny Lepis: Da dann jetzt keine Lebenszeitprofessur mit Verbeamtung, sondern halt eine öffentliche,
Jenny Lepis: also eine Stelle im öffentlichen Dienst.
Jenny Lepis: Also einfach die Art von Stelle, die wissenschaftliche Mitarbeiter ohnehin haben,
Jenny Lepis: aber halt in der Regel befristet, die kann man auch unbefristet vergeben.
Jenny Lepis: Und das wäre halt eine gute Möglichkeit letztlich, um das hinzukriegen.
Jenny Lepis: Man kann die Postdocs aus dem Bizzeit-VG auch rausnehmen, also man kann die
Jenny Lepis: aus diesem Gesetz ausnehmen, das wäre auch eine Möglichkeit.
Jenny Lepis: Und das wäre eigentlich in der Logik des Ganzen auch sinnvoll,
Jenny Lepis: weil nämlich die Qualifikation für die Professur in Anführungszeichen halt eigentlich keine mehr ist.
Jenny Lepis: Also die Leute sind einfach ausqualifiziert. Es gibt den europäischen Qualifikationsrahmen,
Jenny Lepis: da ist die Promotion das Höchste, was man erreichen kann.
Jenny Lepis: Und danach, also klar, wir wünschen uns alle, dass Menschen sich irgendwie im
Jenny Lepis: Leben noch weiterentwickeln danach und das nicht irgendwie die quasi dann den
Jenny Lepis: Stift fallen lassen und sagen, ich lerne jetzt nichts mehr und mich interessiert hier jetzt nichts mehr,
Jenny Lepis: sondern natürlich gilt lebenslanges Lernen ist wünschenswert in allen Branchen,
Jenny Lepis: nicht nur in der Wissenschaft, aber man muss ja da dann nicht irgendwie diesen
Jenny Lepis: Qualifikationsstempel drauf machen und sagen, ja, die Habilitation ist dann
Jenny Lepis: jetzt nochmal eine erforderliche Qualifikation.
Jenny Lepis: Weil halt einfach diese sogenannte Qualifikation, die qualifiziert für Professuren, die es nicht gibt.
Jenny Lepis: Also das heißt, ich kann mir auch irgendeine Quatsch, andere noch eine,
Jenny Lepis: sozusagen, ich kann mir noch die Super-Habilitation als Qualifikation danach ausdenken.
Jenny Lepis: Ich kann mir natürlich alles Mögliche ausdenken an Qualifikationen.
Jenny Lepis: Aber wenn die halt wirklich für Stellen qualifizieren, die nicht existent sind
Jenny Lepis: oder nur in so einem geringen Maß, dass das halt wirklich wie Glücksspiel ist,
Jenny Lepis: ob man die bekommt. Übrigens kriegt man mehr Lose mit mehr Privilegien.
Jenny Lepis: Also man hat dann auch noch quasi keine besten Auslese, sondern eigentlich eine
Jenny Lepis: privilegierten Auslese am Ende.
Jenny Lepis: Und da kommen aber trotzdem immer noch nicht alle durch, nicht mal die privilegierten
Jenny Lepis: von den anderen ganz zu schweigen.
Jenny Lepis: Also das ist einfach etwas, was man so nicht machen muss und dann kann man auch
Jenny Lepis: eben nicht mehr rechtfertigen, warum die Leute befristet sind,
Jenny Lepis: weil im Wissenschaftszeitvertragsgesetz ist die Begründung für die Befristung,
Jenny Lepis: die qualifizieren sich ja noch.
Jenny Lepis: Und das klingt, als wenn das Azubis sind. Und ich meine, bei aller Liebe,
Jenny Lepis: das sind halt einfach promovierte Leute, die sind irgendwie Ende 30, Anfang, Mitte, Ende 40.
Jenny Lepis: Andere Leute sind seit Jahrzehnten etabliert in ihrem Beruf in dem Alter und
Jenny Lepis: das gilt ja für die WissenschaftlerInnen auch. Die werden aber behandelt,
Jenny Lepis: als seien sie halt irgendwie Azubis, die man an die Hand nehmen muss.
Jenny Lepis: Auch durch diesen umständlichen Nachwuchsbegriff, der zum Glück jetzt von uns
Jenny Lepis: auch sehr zurückgedrängt wurde, der wird jetzt nicht mehr in der Form verwendet.
Jenny Lepis: Und trotzdem sagt man manchmal junge Leute, ich war jetzt ja sehr schmeichelhaft,
Jenny Lepis: ich bin 14, gesagt gerne, dass ich eine junge Wissenschaftlerin bin,
Jenny Lepis: aber so jung bin ich nun jetzt auch nicht mehr, weil ich liebe.
Jenny Lepis: Und das ist auch okay. Also ich bin damit ganz glücklich, dass ich in dem Alter
Jenny Lepis: bin, in dem ich bin und ich möchte nicht behandelt werden, als wäre ich irgendwie
Jenny Lepis: eine Erstsemesterstudentin, die natürlich auch genauso Respekt und Anerkennung verdienen.
Jenny Lepis: Aber wenn es jetzt um diese Qualifikationsfragen geht, dann muss man einfach
Jenny Lepis: in Rechnung stellen, dass die Leute Qualifikation, Berufserfahrung,
Jenny Lepis: Lebenserfahrung, all das mitbringen und es einfach nicht gerechtfertigt ist,
Jenny Lepis: dass man sie behandelt, als wüssten sie noch nicht so genau, wie das alles läuft.
Jenny Lepis: Und da müsste man ihnen noch ein bisschen helfen dabei.
Jenny Lepis: Das ist einfach irgendwie eine ganz komische Auffassung von wissenschaftlicher
Jenny Lepis: Arbeit in dieser Phase. Du wirst der Wissenschaftskommunikation erhalten bleiben, nehme ich mal an.
Jenny Lepis: Und zum Abschluss vielleicht noch eine Netzwerkfrage.
Jenny Lepis: Ich bin Hanna, war auf Twitter sehr erfolgreich. Wo bist du denn jetzt so unterwegs?
Jenny Lepis: Ja, also meine Nachricht, dass ich aussteige, hatte ich ja über LinkedIn tatsächlich
Jenny Lepis: rausgehauen und da hat sie auch so sehr viel Resonanz gefunden.
Jenny Lepis: Erstaunlich viel, erfreulich viel auch. Also auch von KollegInnen,
Jenny Lepis: denen es ganz ähnlich geht und die sich ähnliche Gedanken machen.
Jenny Lepis: Also da bin ich tatsächlich unterwegs, aber vor allen Dingen bin ich auf Blue Sky unterwegs.
Jenny Lepis: Das ist ja doch jetzt, hat sich so jedenfalls in meinem Bereich und meiner akademischen
Jenny Lepis: Bubble, hat sich das jetzt als Alternative zu Twitter, Ex-Twitter,
Jenny Lepis: doch etabliert, würde ich sagen.
Jenny Lepis: Und da bin ich sehr positiv überrascht, dass es so gut gelungen ist,
Jenny Lepis: die Ich-bin-Hanna-Community, die ja eine ganz tolle Community ist,
Jenny Lepis: die ich sehr schätze und mag,
Jenny Lepis: da dann nicht in Gänze natürlich, aber schon in großen Teilen da irgendwie auch
Jenny Lepis: wieder hinzuholen. Und die sind da sehr aktiv.
Jenny Lepis: Und insofern, also da gibt es auch immer viel mitzulesen zum Thema Ich-bin-Hanna.
Jenny Lepis: Super, also da können wir dann draufschauen auf Blue Sky und LinkedIn und wenn
Jenny Lepis: euch das interessiert, könnt ihr auf dem Laufenden bleiben.
Jenny Lepis: Ich danke erstmal für das Gespräch und verweise auch noch auf unser Heft,
Jenny Lepis: das in diesem Monat erscheint und wünsche dir dann jetzt noch einen schönen Tag.
Jenny Lepis: Tschüss. Danke ebenso. Ciao.
Neuer Kommentar