Weekly #146: E20 als Bio-Pflaster für hohe Benzinpreise, Tschernobyl-Doku

Shownotes

In der EU-Kommission wird gerade diskutiert, ob man den sogenannten Biokraftstoff E20 einführen soll. Wie der Name schon andeutet, sollen darin 20 Prozent Bioethanol beigemischt werden und damit soll der Anteil höher sein als bei E10. Zudem erhofft man sich einen höheren Preisvorteil als bei herkömmlichem Benzin. Wie viel genau, ist nicht klar. Man sieht aber: Es wird in jedem Fall überlegt, wie man die Mobilität per Auto erschwinglich halten kann. Gregor Honsel, Redakteur bei MIT Technology Review, hat dazu einige Gedanken, die er im Podcast loswird.

Außerdem im Weekly-Podcast:

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00:00:17: Hi zusammen, wir haben heute für euch eine etwas minimierte Folge vorbereitet.

00:00:23: Dabei soll es zunächst um den Biokraftstoff E20 gehen.

00:00:27: In der EU wird gerade diskutiert, ob man den einführen soll und mein Kollege

00:00:32: Gregor Honsel hat dazu ein paar Gedanken.

00:00:35: Und dann kommen wir auch schon direkt zum Medientipp. Da empfehlen wir diesmal

00:00:40: die ARD-Doku Tschernobyl 86 der SuperGAU.

00:00:44: Alle relevanten Links zu den Themen der Sendung findet ihr dann in den Shownotes.

00:00:49: Mein Name ist Jenny Leppies, ich bin Redakteurin für das Magazin MIT Technology

00:00:53: Review und einmal pro Woche darf ich diesen biomassigen Podcast moderieren. Viel Spaß beim Zuhören.

00:01:01: Die Tankstelle ist in politischen Debatten immer wieder sowas wie so ein neureigischer

00:01:07: Punkt und spätestens wenn es im Fernsehen wieder Beiträge gibt,

00:01:11: wo Stimmen von Autofahrerinnen und Autofahrern an der Tankstelle eingefangen werden, dann weiß man,

00:01:17: da tut sich wieder irgendwas.

00:01:19: Aktuell sind das natürlich die hohen Spritpreise durch den Iran-Krieg und eben

00:01:24: die Ölknappheit und die Politik versucht eben da Auswege zu finden.

00:01:29: In der EU-Kommission wird jetzt laut Medienberichten der Biokraftstoff E20 geprüft.

00:01:35: Und wie der Name schon sagt, sollen darin 20 Prozent Bioethanol beigemischt

00:01:41: werden und damit soll dann der Anteil höher sein als bei E10 logischerweise.

00:01:46: Und natürlich soll das Ganze dann auch mal ein bisschen günstiger sein als herkömmliches Benzin.

00:01:53: Wie viel genau, ist aber noch nicht klar. Man sieht aber, es wird auf jeden

00:01:57: Fall überlegt, wie man die Mobilität per Auto sichern kann.

00:02:03: Gregor, was hältst du denn von dem Vorschlag mit dem E20?

00:02:08: Du ahnst wahrscheinlich, ich finde ihn nur so mittelgut.

00:02:12: Aber Biokraftstoff klingt doch erstmal ganz okay.

00:02:15: Genau, ja. So schön nach Grün und Blümchen und wer sollte was dagegen haben.

00:02:19: Ja, richtig.

00:02:21: Genau, das ist auch das politische Kalkül dahinter. Ein bisschen mehr Bio geht immer.

00:02:26: Ja, es ist halt sehr schwer zu beurteilen, welche Folgen, ökologischen Folgen.

00:02:31: Also vom Preis rede ich erstmal gar nicht.

00:02:33: Also der niedrigere Preis entsteht auch vor allem durch niedrigere Besteuerung.

00:02:37: Herstellungskosten ist ein ganz anderer Schnack. Aber bleiben wir erstmal beim Ökologischen.

00:02:41: Also es gibt ganz viele Faktoren, die bestimmen, ob das wirklich nachhaltig ist.

00:02:48: Also erstmal, um welche Pflanzen geht es?

00:02:52: Wie werden die angebaut? Wie viel Traktoreinsatz brauche ich?

00:02:55: Wie viele Pestizide? Wie viele Dünger, um die am Wachsen zu bringen?

00:02:58: Wo wachsen die? Also welche Transportwege habe ich?

00:03:02: Ethanol ist ja, Vulgo kennen wir alle, Alkohol. muss destilliert werden.

00:03:07: Da muss auch die Energie dazu irgendwo herkommen. Woher kommt sie?

00:03:11: Dann gibt es die sogenannten Koppelprodukte. Also das, was dann übrig bleibt.

00:03:15: Also bei der Alkoholproduktion aus Weizen zum Beispiel ist das Maische,

00:03:20: ist halt ein gutes Viehfutter.

00:03:22: Und dann natürlich die Frage, die ganz entscheidende Frage ist eigentlich,

00:03:27: welche Ackerfläche, was wuchs da vorher? Nahrungsmittel.

00:03:33: Und wie verändert das den Bedarf an Ackerfläche? Mal ganz abstrakt gesagt.

00:03:40: Also angerechnet dürfen nur Energiepflanzen, die nicht irgendwo angebaut worden

00:03:48: sind, wo früher Grünland war oder wofür Waldgerod sein musste.

00:03:52: Okay, also extra neue Fläche.

00:03:54: Genau, das ist in der EU zumindest nicht erlaubt.

00:03:59: Das wird nicht angerechnet für diese E20-Quote. Aber,

00:04:04: Da stellt sich natürlich die Frage, wie verschiebt sich der Bedarf?

00:04:08: Dann sagen halt viele Leute, okay,

00:04:10: dann baue ich halt da auf dem alten Weizenfeld Energiepflanzen an oder nehme

00:04:16: halt die Weizen oder Zuckerhuben nicht mehr für die Nahrungsmittelproduktion,

00:04:21: sondern für die Ethanolproduktion.

00:04:23: Dann ist natürlich die Frage, woher kommt denn dann der Weizen für das Brot?

00:04:26: Und der ist dann irgendwo anders und der verdrängt dann wieder möglicherweise

00:04:30: Grünlandflächen oder Wald.

00:04:33: Das ist die sogenannte indirekte Landnutzungsänderung, E-Look.

00:04:41: Sehr schwer zu fassendes Konzept und sehr abstrakt.

00:04:44: Kann so sein, muss nicht so sein, ist sehr umstritten und deshalb auch schwer zu zertifizieren.

00:04:53: Das heißt ja immer, die Zertifikate berücksichtigen sowas. Ja,

00:04:58: das kann man aber schlecht.

00:05:00: Ja, klar. Es waren ja sehr viele Faktoren, die du da genannt hast. Genau.

00:05:03: Und die Bioenergiebranche argumentiert immer, ja, kann man nicht berechnen.

00:05:08: Also kann man nicht seriös ermitteln. Also habt euch mal nicht so.

00:05:12: Ach so.

00:05:13: Ich würde genau umgekehrt argumentieren. Eben weil man es nicht seriös berechnen

00:05:18: kann, sollte man damit eher zurückhaltend sein.

00:05:21: Ja.

00:05:21: Und dann ist natürlich die Frage, was kann man mit dem Acker sonst noch machen?

00:05:25: Das ist jetzt eine hypothetische Frage. Man könnte mit dem Acker natürlich auch

00:05:28: den aufforsten und als CO2-Senker nutzen oder als Naturschutzgebiet.

00:05:34: Also es sind sehr hypothetische Fragen. Darum kann man wirklich seriös betrachten.

00:05:40: Die Folgen nicht abschätzen.

00:05:42: Das E10 wird ja schon angeboten sozusagen. Aber das würde die Problematik einfach nochmal verschärfen.

00:05:50: Genau. Weil wenn du quasi eine politisch gewollte Nachfrageerhöhung hast,

00:05:57: wird dann halt nicht nur der günstigste Pfad von Ethanol benutzt.

00:06:02: Also wo es der wirklich nachhaltig wäre, gibt es ja sicherlich auch.

00:06:07: Sondern auch der Zweit-, Dreh- und Viertbeste, beziehungsweise die schlechteren

00:06:12: Pfade, werden dann auch genutzt, die dann deutlich weniger nachhaltig sind,

00:06:17: einfach um den künstlich angeheizten Bedarf zu befriedigen.

00:06:22: Die Idee von diesem E20-Kraftstoff, kursiert das schon länger oder ist das jetzt

00:06:26: gerade erst aufgekommen?

00:06:28: Mir war es neu. Kann sein, dass das schon länger ist, aber ich habe da vorher nichts von erfahren.

00:06:34: Das Problem mit der Biomasse, Also das, woher die kommt, beziehungsweise wofür die eingesetzt wird.

00:06:41: Du hattest nochmal im Vorgespräch, wie gesagt, auf dieses Gebäudemodernisierungsgesetz verwiesen.

00:06:49: Genau, genau. Weil das ist eigentlich der eigentliche, wo ich mir dann wieder

00:06:53: so die Felspaar-Momente habe, wo ich dann wieder geneigt bin,

00:06:58: mit dem Kopf auf den Tisch zu hauen.

00:07:02: Ist das nämlich genau das Gebäudemodernisierungsgesetz, über das wir in diesem

00:07:07: Podcast ja auch schon herkömmlich uns abgearbeitet haben.

00:07:12: Genau das sieht auch den Einsatz von großen Mengen Bioenergie vor.

00:07:17: Zwar kein Bioethanol, sondern Biogas, Biomethan, was den Vorteil hat,

00:07:23: dass man auch Abfälle nutzen kann, Mülle und biologische Reststoffe, Biomüll.

00:07:29: Also müsste nicht extra Landwirtschaftsfläche genutzt werden?

00:07:33: Ja, schon, aber das ist begrenzt. Und in dem Maß, in dem du auch die Nachfrage

00:07:38: nach Biomethan anheizt, wirst du auch wieder mehr Flächenverbrauch dafür haben.

00:07:46: Genau das habe ich schon befürchtet,

00:07:50: dass jetzt jeder will halt Bioenergie haben und jetzt wird beim Gebäudeenergie

00:07:57: eine künstliche Nachfrage nach Biosprit erzeugt, der natürlich auch seine Fläche braucht.

00:08:04: Es ist wie gesagt kein Bioethanol, sondern Biomethan, was aber letztendlich

00:08:10: egal ist, weil auch dafür brauchst du Ackerfläche.

00:08:13: Und jetzt kommt auf einmal die EU daher und sagt, oh, das ist aber ganz toll für die Autoflotte.

00:08:18: In jedem Sektor ist, wenn es irgendwas nicht passt, wenn irgendwas nicht aufgeht,

00:08:22: kommt das als Flästerchen die Biomasse daher.

00:08:25: Ja, als Rettungsanker sozusagen.

00:08:27: Ja, genau. Weil klingt gut, Bio-Cut hat niemand was dagegen.

00:08:32: Aber genau diese absolut, also es wurde schon fürs Gebäudemodernisierungsgesetz

00:08:38: quasi mehr Fläche in Anschlag genommen, als Deutschland überhaupt liefern kann.

00:08:43: Ah, okay.

00:08:43: Also da sind wir schon bei der Selbstversorgung bei deutlich über 100 Prozent.

00:08:48: Okay.

00:08:49: Also bei der Bedarf liegt deutlich über 100 Prozent der Möglichkeit,

00:08:53: uns selbst damit zu versorgen.

00:08:54: Und jetzt kommt die EU und schlägt nochmal drauf.

00:08:59: Gebt nochmal was für die Autofahrer.

00:09:00: Ja, genau. Und jetzt sollen noch mehr daherkommen.

00:09:03: Muss man sich vielleicht entscheiden, ob man eine warme Wohnung haben will oder Autofahren.

00:09:07: Nein, man kann Autofahren. Es gibt Elektroautos, das geht.

00:09:12: Genau, das ist nämlich die Elektrifizierung. Es gibt für alles Alternativen.

00:09:16: Genau. Und das heißt halt, wir haben begrenzte Mengen an Biosprit.

00:09:21: Man hat bestrengte Ackerflächen, man hat auch ein begrenztes Aufkommen an Reststoffen.

00:09:25: Das ist halt so. Das kann man vielleicht noch ein bisschen optimieren,

00:09:28: aber es wird auch nicht beliebig viel.

00:09:30: Also muss man sich überlegen, wo ist diese Biomasse am besten einzusetzen.

00:09:35: Eine ganz gute Methode fände ich ja als Biogaskraftwerk zur Brücken der Dunkelflauten.

00:09:44: Da gibt es zwar schon viele Batteriespeicher, aber so richtig hartnäckige Dunkelflauten

00:09:51: werden wohl mit chemischen Stoffen,

00:09:54: also Biogas oder Methan ganz allgemein und Wasserstoff überbrückt werden müssen.

00:10:03: Und dafür wäre zum Beispiel Biomasse sehr gut eingesetzt. Einfach um fossiles Gas zu ersetzen.

00:10:09: Und da gibt es jetzt auch nicht so viele Alternativen.

00:10:11: Wasserstoff hat wieder seine eigenen Nachteile.

00:10:14: Das wäre zum Beispiel aus meiner Sicht ein ganz sinnvoller Einsatz von Biogas.

00:10:22: Aber davon ist jetzt auf einmal keine Rede mehr. Auf einmal ist jetzt wieder

00:10:25: riesige Mengen sollen erstmal in die Gebäudeheizung fließen und dann sollen

00:10:29: nochmal jetzt noch on top riesige Mengen wieder in die Autotanks fließen.

00:10:34: Von Priorisierung überhaupt kein Plan. Also jeder Acker wird schon gleich dreimal,

00:10:40: dreifach verfrühstückt.

00:10:42: Und das genau für Segmente, wo es eben gute Alternativen gäbe.

00:10:47: Nämlich Wärmepumpe und Elektroautos.

00:10:51: Und das Segment, wo Biogas wirklich sinnvoll wäre, nämlich im Stromsystem,

00:10:58: das muss man gucken, wo es bleibt.

00:11:00: Dadurch wird alles wieder teurer, natürlich, Nachfrage, also ob das dann noch

00:11:05: darstellbar ist, da noch groß Biogas einzusetzen, ist halt die Frage.

00:11:11: Ja, und dann heißt es wieder, oh, wir brauchen aber fossiles Erdgas,

00:11:15: weil Biogas ist natürlich zu teuer, können wir leider nichts machen, so ist der Markt.

00:11:20: Ich habe gerade noch überlegt, vielleicht gibt es ja in der EU-Kommission irgendwie

00:11:24: jemanden, der noch ganz geheime Ecken hat, um Biomasse zu produzieren irgendwo.

00:11:31: Ja, der wird irgendwo auf der Welt produziert. Das heißt, es erhöht wieder die

00:11:35: Abhängigkeit von Europa von irgendwelchen Lieferländern, wo man ja gerade weg von will.

00:11:41: Ja, danke. Herzlichen Glückwunsch.

00:11:43: Hast du denn sonst noch eine Idee zur Spritpreissenkung?

00:11:49: Ja, Elektromobilität fördern, senkt die Nachfrage nach fossilem Sprit, senkt die Preise.

00:11:55: Oder natürlich grundsätzlich jede Form, die hilft, Autoverkehr zu reduzieren.

00:12:01: Also Öffis, Fahrräder. Es gibt auch die Möglichkeit.

00:12:05: Also je weniger man Auto fährt, desto stärker sinken auch die Preise für fossilen Sprit.

00:12:11: Ist jetzt nicht so sonderlich originell meine Idee, aber auch nicht so völlig absurd eigentlich.

00:12:18: Ja, genau. Finde ich auch. Ja, vielen Dank erstmal für deine Insights.

00:12:23: Und du hast das Ganze auch nochmal aufgeschrieben. Das verlinke ich auch nochmal

00:12:27: gerne in den Shownotes. Danke dir erstmal.

00:12:30: Ja, gerne.

00:12:30: Jetzt kommen wir noch zu unserem Medientipp, der noch viel weniger eigentlich

00:12:35: ein Wohlfühlthema ist als die Lage am Ölmarkt. Am vergangenen Sonntag hat sich nämlich zum 40.

00:12:43: Mai die Tschernobyl-Atomkatastrophe gejährt und im Vorfeld gab es auch schon

00:12:49: vermehrt Medienberichte dazu und unser Autor Hans Neubert,

00:12:53: der hat dazu auch einen Text geschrieben und als ich da so ein bisschen gegengelesen habe bzw.

00:12:59: Auch nochmal quer gelesen habe, bin ich auf die ARD-Doku aufmerksam geworden.

00:13:05: „Tschernobyl 86, der Super-GAU“ heißt sie und sie ist ausschließlich mit Originalmaterial

00:13:11: aus dem Jahr erzählt und zeigt eben so auch die Entwicklung der Kommunikation

00:13:17: auf, wie das damals eben ablief.

00:13:19: Hast du da noch konkrete Erinnerungen an die Zeit, Gregor?

00:13:22: Also ich war da 16 und habe natürlich schon sehr konkrete Erinnerungen.

00:13:29: Erinnerungen daran, aber die unterscheiden sich jetzt auch nicht so.

00:13:34: Ich kann jetzt nicht exklusiv irgendwie noch meinen persönlichen Eindruck dazu führen.

00:13:39: Es deckt sich ziemlich mit dem, was ich jetzt in den alten Dokus sehe.

00:13:43: Man war besorgt, man denkt sich, oh, was ist das? Und um Himmels Willen.

00:13:48: Man verfolgt die Nachrichten ein bisschen intensiver als sonst, aber viel mehr.

00:13:52: Du hast jetzt keine schrecklichen Erinnerungen an die Zeit zurück.

00:13:56: Ich finde immer, ich habe beim Sehen der Doku auch so ein bisschen immer an

00:14:00: so die Corona-Zeit denken müssen.

00:14:02: Ich weiß nicht, weil es auch so ein weltumfassendes Ereignis war.

00:14:05: Bei uns in Westfalen war das zu weit weg. Also betroffen war ja eher so Südost, Deutschland,

00:14:15: Bayern und so, Oberpfalz, glaube ich. Das hat jetzt keinen konkreten Einfluss

00:14:20: auf unser Leben. Und es war auch nicht,

00:14:25: vergleichbar mit Corona.

00:14:28: Man dachte schon, ist,

00:14:31: Und wie war das? Bis dahin wurde uns halt immer erzählt, ein Reaktor kann nur

00:14:40: alle tausend Jahre GAU stattfinden.

00:14:46: Oder eine sehr hohe Jahreszahl, wo man denkt, ja, erlebe ich nicht.

00:14:54: Und das war dann schon das zweite Mal, dass ich das bewusst miterlebt habe.

00:14:58: Aber das erste Mal ist ein bisschen untergegangen.

00:15:02: Das war Three Mile Island, Harrisburg in den USA.

00:15:06: Das war auch eine Kernschmelze, die ich gewaschen hatte.

00:15:11: Das Ding war richtig Schrott. Das ist halt deshalb nicht zur Katastrophe gekommen,

00:15:15: weil das Containment den Kern noch aufgehalten hat.

00:15:19: Aber das ist damals auch richtig in die Hose gegangen. Und das war noch nicht

00:15:22: so lange her. Ich dachte mir, ups, schon zum zweiten Mal.

00:15:25: Ja, richtig. Ja, genau.

00:15:28: Hört doch auf, uns zu erzählen, ihr wisst, was ihr tut. Das war so mein Eindruck damals.

00:15:32: Ja, da wurde es ja dann auf die Sowjetunion geschoben, einfach das sind andere

00:15:38: Technikkeiten, die dann eben fehleranfälliger waren.

00:15:41: Genau, ja, ja, genau. Ich weiß noch, ein Spruch von Dieter Hildebrandt,

00:15:45: Scheibenwischer, damals war der Innenminister.

00:15:48: Genau, das war jetzt auch eine Sache, die ich damals gedacht habe.

00:15:51: Ich weiß, ob ich das damals so gedacht habe Oder ob ich das so jetzt im Nachhinein

00:15:57: mir aufgekommen ist, der Gedanke beim Angucken des Materials.

00:16:01: Aber dass da der Bundesinnenminister Friedrich Zimmermann, CSU,

00:16:07: der taucht da wahrscheinlich auch reichlich auf in der Doku,

00:16:11: ganz, ganz schnell dabei war. Also kaum, man wusste nichts, aber er wusste schon,

00:16:16: es ist alles ganz ungefährlich und wir sind betroffen.

00:16:19: Und ich denke mir, selbst ein CSU-Politiker kann doch mal zugeben, dass man was nicht weiß.

00:16:24: Man muss es untersuchen, wir wissen es auch nicht, tut mir leid,

00:16:27: ist halt in Russland, in der Ukraine oder in der Sowjetunion,

00:16:30: ist halt weit weg, wir wissen es nicht.

00:16:32: Aber sofort diese Gewissheit, sich da von der Kamera mit breiten Schultern hinzustellen

00:16:36: und zu sagen, nö, alles harmlos, alles im Griff.

00:16:40: Ja, ja, das wird dann in der Doku auch gut der Gegensatz gezeigt von dem,

00:16:44: was er sagt. Von wegen hier, macht euch keine Sorgen, macht euch keine Sorgen.

00:16:48: Und im Gegenzug siehst du dann dahinter Landwirte, die haufenweise ihren Salat

00:16:52: platt machen müssen, weil eben da Grenzwerte überschritten wurden.

00:16:57: Genau, also das hat mich glaube ich damals schon genervt, dass ich gesagt habe,

00:17:02: ey, du weißt es doch gar nicht, erzähl doch nicht so einen Scheiß.

00:17:04: Genau, das kommt auch in der Doku vor, dass sie halt das beliebte Stilmittel

00:17:09: auf der Straße Stimmen einfangen.

00:17:12: Genau, dass halt viele Bürger sich einfach veralbert gefühlt haben und sehr

00:17:17: verunsichert einfach waren.

00:17:19: Genau.

00:17:21: Und genau, das spiegelt das Ganze auch wieder, eben diese Kluft und genau,

00:17:26: du findest ja diese Straßenaufragen, habe ich eben festgestellt,

00:17:29: nicht so interessant, aber sie geben eben doch ein Stimmungsbild wieder,

00:17:33: auch wenn es eben nur so ein Aufschnitt ist.

00:17:35: Trotzdem wird dann irgendwie das nochmal sichtbarer, dass die Leute einfach

00:17:39: Angst hatten und da ist irgendwie ein Verhaltenstipps auch mangelte oder die

00:17:43: man sich irgendwie damals selbst zusammensuchen musste.

00:17:45: Ach genau, ich habe vergessen, ich habe noch angekündigt, das von Dieter Hildebrandt,

00:17:50: den Spruch, ja genau, der muss noch nachliefern.

00:17:55: Friedrich Zimmermann hat ja gesagt, es gibt kein Chernobyl in Deutschland.

00:18:02: Und Dieter Hildebrandt hat gesagt, ja klar, es gibt kein Atomreaktor,

00:18:06: der 1.000 Kilometer von den deutschen Außengrenzen weit weg ist.

00:18:10: Und schon bei Reaktoren, die halt 1.000, kannst du bei uns keine Pilze mehr essen.

00:18:16: Ja, richtig. Also die Dimensionen.

00:18:18: Also der Schaden war jetzt nicht so gering.

00:18:24: Ja gut, kannst halt heute zum Teil kein Wild mehr essen.

00:18:27: Es wird noch heute wild. Das stand, glaube ich, in dem Text von Harjo Neubert

00:18:30: drin. Dass du heute noch wild, zersimverseucht bist.

00:18:36: Gut, das ist ja natürlich verglichen mit dem, was vor Ort alles passiert ist,

00:18:40: ist das relativ harmlos.

00:18:41: Aber trotzdem, wenn du überlegst, das ist schon bei einem, wer aktuell 1000

00:18:45: Kilometer weit weg ist oder wie viel 1000 Kilometer.

00:18:49: Oh, jetzt kann ich ja.

00:18:50: Ja, jedenfalls Dieter Hildebrand hat dazu gesagt, ja klar, es gibt keinen Standard-Mill

00:18:54: in Deutschland, es gibt keinen deutschen Reaktor, der tausend Kilometer weit weg ist.

00:18:59: Richtig.

00:19:00: Die stehen alle hier rum.

00:19:01: Ja, richtig. Und dann finde ich es auch immer noch mal krasser,

00:19:05: dass es dann, also da bildeten sich dann schon die ersten Atomgegner-Demos

00:19:10: und dass es dann im Prinzip nochmal Fukushima passieren musste und dann erst

00:19:15: der Atomausstieg beschlossen wird.

00:19:17: Das hat dann nochmal 25 Jahre gedauert irgendwie.

00:19:21: Es gibt ja auch eine 3-Teile-Arte-Doku, die ist aber schon ein bisschen älter,

00:19:26: oder? Die ist jetzt nicht neu.

00:19:27: Nee, nee, nee. Ich glaube, ich hatte es eben auch nochmal nachgeguckt.

00:19:29: Die war auch von jetzt 26.

00:19:32: Also genau, die habe ich leider zu spät erst entdeckt. Aber es sind,

00:19:35: glaube ich, auch so drei Teile in der Arte-Mediathek.

00:19:39: Und die heißen irgendwie Tschernobyl, ein Insider-Bericht.

00:19:43: Und genau, die kann man sich auch nochmal ansehen. Die sah im Trailer auch gut

00:19:46: aus, aber kann ich jetzt nichts zu sagen. Auf jeden Fall wäre das auch nochmal ein Leben.

00:19:51: Aber auch eine ältere Doku, vielleicht ist die einfach neu publiziert worden.

00:19:57: Jedenfalls in einem Arte-Mediothek findet man auch viel und da geht es dann

00:20:01: auch tatsächlich mehr um den Vorfall selber.

00:20:04: Also wo sie auch mit dem russischen Ingenieurin gesprochen haben,

00:20:09: die da aus Moskau herangeeilt ist und dann gesehen haben, dass da überall ein

00:20:14: brennendes Grafit rumliegt.

00:20:16: Und die sagten, oh Mann, auch sehr nah an dem Ereignis selber dran,

00:20:20: also die fand ich auch sehr bedrückend.

00:20:24: Wollten sie davon berichten, wie sie aus Pripyat da evakuiert wurden auf einmal?

00:20:30: Ja, das kommt in der anderen Doku auch noch ein bisschen, also nicht hauptsächlich,

00:20:35: aber kommt daran auch nochmal so vor,

00:20:38: dass sie dann eben Blei abwerfen, um das Feuer zu löschen sozusagen und dann

00:20:43: irgendwie feststellen, ah, diese Blei Barren hier sind viel zu schwer.

00:20:47: Man schafft der Helikopter nicht oder sowas.

00:20:49: Und haben wir hier Bleikugeln, die müssen wir abwerfen.

00:20:53: Also ja, schon irgendwie beängstigend alles.

00:20:57: Aber genau, wer also nochmal ein Flashback in das Jahr 1986 haben möchte,

00:21:05: dem sei all dies ans Herz gelegt.

00:21:09: Zum Schauen nochmal.

00:21:12: Damit sind wir auch schon am Ende dieser Folge. Wir verabschieden uns.

00:21:16: Macht's gut. Bis nächste Woche. Tschüss.

00:21:18: Bis dann. Tschüss.

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